Montag, 26. Januar 2026

Inspirieren lassen ~ Erster Soloabend auf der Bühne

Werter Richard Fuchs,

vielen Dank für den vielseitigen Abend unter der Überschrift „Ich bin Musik“ ~ und lange klangen diese Melodien und Worte nach, die Sie für diesen Abend ausgesucht, zusammengestellt, geprobt und aufgeführt hatten. Vor allem regte diese musikalische Darbietung sehr stark meine Erinnerung an meine erste Sololesung an. Selbstverständlich ist es etwas anderes, wenn man singt und auf einer Theaterbühne steht, auf Bühnenerfahrung und professionelle Menschen „hinter den Kulissen“ zurückgreifen kann. Aber das vermindert ja das Lampenfieber nicht, das schützt nicht vor „Texthängern“ und kleinen Unperfektheiten, die bei Liveauftritten immer wieder passieren. Meiner Meinung nach haben Sie einen großartigen Abend organisiert! Die vielen emotionalen Momente bei der Rückschau auf den eigenen Lebensweg/ Bühnenweg – das kann ich so gut nachvollziehen. Ich war damals 3 Jahre älter, als ich mein erstes Soloprogramm gestaltete. Ich schreibe seit meiner Jugend Gedichte, hin und wieder auch Prosa. Der erste Text, an den ich mich bewusst erinnern kann, entstand für die Schülerwandzeitung – ich mag wohl 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. An die Resonanz kann ich mich nicht erinnern auch nicht, dass es jemanden gegeben hätte, der in diesen Zeilen ein Talent erkannt und gefördert hätte. Es gab in der DDR viele Möglichkeiten als kreativer, talentierter junger Mensch gefördert zu werden aber es gehört eben auch dazu, dass Eltern, Lehrer, Großeltern, Erzieher oder andere Personen ein Talent in einem Kind, einem Jugendlichen erkennen und ihn auf Wege führen und begleiten, auf denen eine Formung und Entwicklung möglich ist. Menschen, die ihn ermutigen und stärken. Ich war ungefähr in dem Alter, in dem Sie heute sind, als ich einem Menschen begegnete, der für mich eine Art „Mentor“ auf dem Gebiet des Kreativen Schreibens und der Kulturellen Bildung war und ist. Wolfgang Wache war der Erste, der in meinen Versen etwas sah, der mich zu Schreibcamps einlud, mir Verantwortung für Gedichteworkshops übertrug... wir gründeten den Verein „Ich schreibe!“ in Senftenberg/ Brieske, wir fördern schreibenden, kreativen Nachwuchs, gestalten Veranstaltungen mit KünstlerInnen verschiedenster Genres. Er brachte mich als 25 Jährige, als Preisträgerin eines Literaturwettbewerbs auch auf diese Theaterbühne, auf der Sie am vergangenen Samstag standen, um damals eine Laudatio bei der Preisverleihungsveranstaltung für diesen Schreibwettbewerb zu halten. Dann, vier Jahre später, schuf ich mir meine eigene Bühne, ich engagierte ein Musikertrio, lud literarische Wegbegleiter ein, einen Gastauftritt zu gestalten – natürlich war einer davon Wolfgang Wache -, eigene Fotografien, mit einem Diaprojektor an die Wand geworfen, bildeten meine Kulisse. Das tragende Element dieses literarisch-musikalischen Abends waren meine eigenen Gedichte. Natürlich gab es an diesem Abend und bei vielen weiteren Veranstaltungen immer wieder auch Momente tiefer Dankbarkeit, tiefer Emotionen. Werter Richard Fuchs, lassen Sie sich diese Tiefe und Emotionalität, die auch immer Authentizität ist, nie nehmen! Das ist, was ich Ihnen am meisten wünsche. Wer vermag zu sagen, wohin uns das Leben treibt. Es gibt Notwendigkeiten, Hindernisse, Unmöglichkeiten, Chancen, Verluste, Gewinne... zur richtigen Zeit am falschen Ort, falsche Menschen am richtigen Ort... Begegnungen, die stärken; Begegnungen, die ent-täuschen... Fehler und Wunder! Bewahren Sie sich Ihre Freude, Ihre Begeisterung, Ihre Überzeugung, denn das sind die, die Sie durch schwere Zeiten tragen werden. Erinnern Sie sich immer mal wieder an diesen Abend, den 24. Januar 2026, auf der Großen Bühne der „neuen Bühne“ Senftenberg! Erhalten Sie sich diese Momente! Der erste Soloabend – es ist ein Beginn! Ihnen alles Gute auf dem weiteren künstlerischen und persönlichen Weg!

Yana Arlt


Oscar Wilde

Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.