Montag, 26. Oktober 2026

Inspirieren lassen ~ Spieluhr NOCTURNE

Paris. Voila! Paris! Ich fuhr nicht einmal eine Stunde und schon war ich in Paris. Zu einem Konzert! Ein Konzert eines jungen Pianisten, von dem derzeit die ganze Welt spricht. Ich war mächtig nervös, war den ganzen Tag, schon die Tage zuvor, zu keinem vernünftigen Gespräch zu gebrauchen. Hat man mir das angemerkt? Ob es wohl noch Tickets gibt? Ich recherchiere im Internet. Ich rufe an. Ja, es sind noch reichlich Plätze. Und es können wirklich einfach so zwei Personen kommen? Ja, alles im grünen Bereich. Ich prüfe den Ölstand und den Reifendruck bei meinem Auto – jetzt darf nichts dazwischen kommen. Ok, wir sind viel zu früh. Hatte ich ja auch irgendwie so geplant. Mit den Eintrittskarten in der Tasche suchen wir uns ein kleines Café. Spinatquiche. Klingt köstlich. Schmeckt köstlich. Dann gern noch einen Espresso. Schon ist es Zeit, den Saal zu betreten, die Plätze einzunehmen... Paris. Voila! Paris! Auftritt Musca domestica! Sie ist sehr entspannt und etwas aufdringlich. Setzt sich dreist auf das Revers des gefeierten Komponisten und Pianisten! Der eilt in der nächsten Szene etwas überfordert und sichtlich um Höflichkeit gegenüber des wartenden, drängenden Publikums bemüht, zu einem der Flügel, die zu einer Art Pianistenchallenge aufgebaut wurden. Es spielt Liszt – Franz Liszt. Beifall. Es spielt Chopin - Frédéric Chopin! Ach, ich kenne die Geschichte ja und doch hoffe ich, dass es gut ausgeht, dass der Aufenthalt mit Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil alias der Schriftstellerin George Sand auf Mallorca wirklich körperliche und seelische Besserung bringt, dass irgendjemand ein Heilmittel gegen Tuberkulose findet und dass der Musiker älter wird als 39 Jahre. Und sie lebten glücklich und zufrieden... Ach, ich weiß ja, dass auch die Verfilmung eines Lebens nicht das Leben selbst ändern, verlängern, verbessern kann. Ich kenne die Geschichte. Robert Koch entdeckte 1882 den Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis – da war Chopin schon 33 Jahre tot. Erst 1943, fast auf den Tag genau 94 Jahre nach Chopins Tod wurde das erste wirksame Heilmittel gegen Tuberkulose (Streptomycin) isoliert. (Selman A. Waksman/ Albert Schatz) Unzählige KünstlerInnen litten und starben an der Krankheit – so der englische Dichter John Keats, der am 31. Oktober vor 231 Jahren geboren wurde und im Alter von 26 Jahren in Rom starb. Warum Rom? Weil Kollegen von ihm Geld für diese Reise sammelten, damit er im milderen italienischen Klima Linderung erfahren sollte. Er kam nie nach England zurück, auch seine Beisetzung fand in Rom statt. Auf seinem Grabstein ist eine Lyra abgebildet. Kein Name. Nur: „Young English Poet“. Frédéric Chopin ist in Paris beigesetzt. Sein Herz ruht in seinem Heimatland – in der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau.

Yana Arlt


Ich gestehe, ich habe „Ein Winter auf Mallorca“ nie zu Ende gelesen … könnte ich mal wieder in die Hand nehmen das Buch, jetzt, da es so früh dunkelt ~

Und du? Kennst du die Kompositionen von Chopin? Hast du ein Lieblingsstück?
Hier geht es zu den Nachtstücken, den Nocturnes.
Übrigens: Eryk Kulm, der Darsteller des Frédéric Chopin spielt selbst! mehr erfahren: rondomagazin


George Sand

„Als Kranker war der arme große Künstler unausstehlich. Was ich befürchtet, leider aber nicht gründlich durchdacht hatte, traf ein. Er verzagte vollkommen. Obwohl er sein Leiden recht mutig ertrug, konnte er seiner erregten Phantasie nicht Herr werden. Das Kloster war ein Ort der Schrecken und der Geister für ihn…“

aus „Ein Winter auf Mallorca“