Montag, 7. September 2026

Inspirieren lassen ~ Nachlese zum Lausitzer Lyrikfestival XIV

 

Wolfgang Wache

Abschlussgedanken zum 14. Lausitzer Lyrikfestival


Als wir am 2. September begonnen haben, wussten wir nicht, welche Wege sich öffnen würden.
Ein Festival ist immer ein Spiegel:
Es zeigt uns die, die kommen, und die, die fernbleiben.
Es zeigt uns die, die Wärme suchen, und die, die nur einen Nutzen sehen.
Es zeigt uns die, die sich öffnen, und die, die sich verschließen.
Doch trotz aller Gegensätze haben wir etwas geschaffen, das größer ist als jede einzelne Begegnung.
Wir haben einen Raum geöffnet, in dem Menschen sich als Schreibende, als Fühlende, als Künstler – und einfach als Menschen – begegnen konnten.
Einen Raum, der nicht laut war, sondern wahr.
Einen Raum, der bleibt.
Ein besonderer Ausdruck dieser Gemeinschaft war die Entstehung der Edition Septemberwinde.
Unter der inspirierenden Anleitung von Ingo Cesaro wählten die beteiligten Autorinnen und Autoren jeweils ein Haiku aus, setzten es spiegelverkehrt in Einzellettern aus Blei und druckten auf der Handpresse 24 Handabzüge.
Mit der kundigen und geduldigen Begleitung von Gisela Gülpen wurden die Drucke anschließend in fernöstlicher Durchstichtechnik gebunden. Leider reisten einige Teilnehmer erst später an und konnten nicht an allen künstlerischen Begegnungen und Arbeitsphasen teilnehmen. Doch auch ihre späteren Schritte waren Teil des gemeinsamen Weges – und die Edition trägt dennoch die Handschrift aller, die sich beteiligt haben.
Zum Abschluss des Festivals konnten wir allen Beteiligten diese Edition überreichen – ergänzt durch Malerei und Linolschnitte.
Ein Werk, das zeigt, wie viel Kraft entsteht, wenn Menschen gemeinsam handeln, gestalten und Verantwortung teilen.
Mein herzlicher Dank gilt Ingo Cesaro und Gisela Gülpen für ihre fachkundige, warmherzige und inspirierende Begleitung dieses Projekts.
Was in diesen Tagen entstanden ist, war mehr als ein Festival.
Es war unser gemeinsamer Versuch, die Welt ein Stück menschlicher zu machen.
Wir haben etwas aufgebaut, das nicht käuflich ist: Gemeinschaft, Mut, Haltung, Herz.
Was wir getan haben, bleibt.
Was wir begonnen haben, wächst.
Was wir getragen haben, trägt uns weiter.
Wir sind nicht am Ende – wir stehen am Anfang des Weges zum 15. Lausitzer Lyrikfestival.
Und dann war da dieser Sonntag,
dieser Spaziergang durch Natur und Architektur,
durch das Denkmal Marga,
das unsere Schritte wie ein stiller Kranz umgab.
Unsere lyrischen Worte legten sich sanft in die Landschaft und bereicherten den Tag.
Für einen Augenblick durfte sogar ein Mensch, der mit seiner Einsamkeit lebt,
durch unsere Verse einen Lichtblick erfahren.
Das ist es, was bleibt:
die Schritte, die wir gemeinsam tun,
die Worte, die wir teilen,
die Herzen, die wir berühren.
Das ist unser Werk.
Das ist unser Lied.
Mit diesem Gedanken endet das Lausitzer Lyrikfestival XIV für dieses Jahr.
Seinen letzten, stillen und zugleich kraftvollen Akzent setzt die Ausstellung, die ich als Dichter und Künstler – mit der Unterstützung von Jana beim Aufbau und Hängen der Bilder – eröffnen darf:
Morgen, Dienstag, um 15 Uhr eröffne ich im Trauercafé des Hospizdienstes Senftenberg
meine Ausstellung Atelierfundstücke – begleitet von einer Lesung eigener Texte.
Ich freue mich auf alle Gäste,
auf Begegnungen, auf Zuhören, auf gemeinsames Verweilen.