Wolfgang Wache
Abschlussgedanken
zum 14. Lausitzer Lyrikfestival
Als wir am 2. September
begonnen haben, wussten wir nicht, welche Wege sich öffnen
würden.
Ein Festival ist immer ein Spiegel:
Es zeigt uns die,
die kommen, und die, die fernbleiben.
Es zeigt uns die, die Wärme
suchen, und die, die nur einen Nutzen sehen.
Es zeigt uns die, die
sich öffnen, und die, die sich verschließen.
Doch trotz aller
Gegensätze haben wir etwas geschaffen, das größer ist als jede
einzelne Begegnung.
Wir haben einen Raum geöffnet, in dem
Menschen sich als Schreibende, als Fühlende, als Künstler – und
einfach als Menschen – begegnen konnten.
Einen Raum, der nicht
laut war, sondern wahr.
Einen Raum, der bleibt.
Ein besonderer
Ausdruck dieser Gemeinschaft war die Entstehung der Edition
Septemberwinde.
Unter der inspirierenden Anleitung von Ingo Cesaro
wählten die beteiligten Autorinnen und Autoren jeweils ein Haiku
aus, setzten es spiegelverkehrt in Einzellettern aus Blei und
druckten auf der Handpresse 24 Handabzüge.
Mit der kundigen und
geduldigen Begleitung von Gisela Gülpen wurden die Drucke
anschließend in fernöstlicher Durchstichtechnik gebunden. Leider
reisten einige Teilnehmer erst später an und konnten nicht an allen
künstlerischen Begegnungen und Arbeitsphasen teilnehmen.
Doch auch ihre späteren Schritte waren Teil des gemeinsamen
Weges – und die Edition trägt dennoch die Handschrift aller, die
sich beteiligt haben.
Zum Abschluss des Festivals
konnten wir allen Beteiligten diese Edition überreichen – ergänzt
durch Malerei und Linolschnitte.
Ein Werk, das zeigt, wie viel
Kraft entsteht, wenn Menschen gemeinsam handeln, gestalten und
Verantwortung teilen.
Mein herzlicher Dank gilt Ingo Cesaro und
Gisela Gülpen für ihre fachkundige, warmherzige und inspirierende
Begleitung dieses Projekts.
Was in diesen Tagen entstanden ist,
war mehr als ein Festival.
Es war unser gemeinsamer Versuch, die
Welt ein Stück menschlicher zu machen.
Wir haben etwas aufgebaut,
das nicht käuflich ist: Gemeinschaft, Mut, Haltung, Herz.
Was wir
getan haben, bleibt.
Was wir begonnen haben, wächst.
Was wir
getragen haben, trägt uns weiter.
Wir sind nicht am Ende – wir
stehen am Anfang des Weges zum 15. Lausitzer Lyrikfestival.
Und
dann war da dieser Sonntag,
dieser Spaziergang durch Natur und
Architektur,
durch das Denkmal Marga,
das unsere Schritte wie
ein stiller Kranz umgab.
Unsere lyrischen Worte legten sich sanft
in die Landschaft und bereicherten den Tag.
Für einen Augenblick
durfte sogar ein Mensch, der mit seiner Einsamkeit lebt,
durch
unsere Verse einen Lichtblick erfahren.
Das ist es, was
bleibt:
die Schritte, die wir gemeinsam tun,
die Worte, die wir
teilen,
die Herzen, die wir berühren.
Das ist unser Werk.
Das
ist unser Lied.
Mit diesem Gedanken endet das Lausitzer
Lyrikfestival XIV für dieses Jahr.
Seinen letzten, stillen und
zugleich kraftvollen Akzent setzt die Ausstellung, die ich als
Dichter und Künstler – mit der Unterstützung von Jana beim Aufbau
und Hängen der Bilder – eröffnen darf:
Morgen, Dienstag, um 15
Uhr eröffne ich im Trauercafé des Hospizdienstes Senftenberg
meine
Ausstellung Atelierfundstücke – begleitet von einer Lesung eigener
Texte.
Ich freue mich auf alle Gäste,
auf Begegnungen, auf
Zuhören, auf gemeinsames Verweilen.
