Donnerstag, 4. Juni 2026

Rückblick "Tag der Baukultur" ~ Text: Wolfgang Wache ~ Fotos: Yana ("Ich schreibe!") & Fenja & Justyna

 

W O L F G A N G   W A C H E

Wenn Marga lacht – Eine fröhliche Erzählung vom Tag der Baukultur in der Gartenstadt

Es gibt Tage, an denen ein Ort nicht nur Kulisse ist, sondern selbst zur Hauptfigur wird. Der Tag der Baukultur in Brieske war genau so ein Tag. Ein Tag, an dem die Gartenstadt Marga, dieses architektonische Kleinod der Arbeiterkolonie Grube Marga, nicht nur ihre Türen öffnete, sondern ihre ganze Seele zeigte – und dabei fröhlich, charmant und ein bisschen schelmisch wirkte.
Denn Marga ist nicht irgendein Ort. Sie ist ein Gesamtkunstwerk der frühen Moderne, gebaut für Bergarbeiter, die nicht nur wohnen, sondern gut wohnen sollten. Ein Ort, der zeigt, wie sozialer Gedanke, Architektur und Lebensqualität zusammenfinden können. Rote Dächer, geschwungene Straßen, Plätze, die zum Verweilen einladen – eine Siedlung, die bis heute erzählt, wie man Wohnen menschlich denkt.
Und an diesem Tag erzählte sie besonders laut.


Ein Vormittag voller Vorfreude – und ein Helferteam wie ein Ameisenstaat

Schon am Morgen wuselte das Aufbauteam über den Platz, als hätte jemand einen Startschuss gegeben. Zelte wurden aufgestellt, Blumen drapiert, Kabel entwirrt – und mindestens dreimal wieder verwirrt. Doch irgendwann stand alles. Oder zumindest genug, um zu behaupten, es sei Absicht.
Und dann lag dieses Knistern in der Luft, das sagt: Heute wird ein guter Tag.


Ein Rundgang mit Minister – und Häuser, die Haltung annahmen

Ich, Wolfgang Wache, durfte Minister Crumbach durch die Gartenstadt führen. Ein Rundgang, der irgendwo zwischen politischer Bedeutung und heiterer Dorfkomödie pendelte.
Mit dabei:
Bürgermeister Pfeiffer, der stets aussah, als wisse er genau, wo es langgeht,
Kammerpräsident Krebs, der mit professionellem Nicken jede Fassade adeln konnte.
Und ich bin mir sicher: Die Häuser standen ein kleines bisschen gerader, als der Minister vorbeikam.


 

 




Das Labyrinth – ein Kunstprojekt als Startschuss für etwas Großes

Vor der Kirche lag ein großes Labyrinth aus Planen, das auf den ersten Blick aussah wie ein Spielplatz für philosophisch veranlagte Maulwürfe. Doch in Wahrheit war es viel mehr: Der symbolische Auftakt für ein internationales Kunstprojekt, das künftig Künstlerinnen und Künstler aus nah und fern nach Marga holen soll.
Ein Projekt, das die Baukultur dieses briesker Kleinods der Architektur hervorheben wird – mit Installationen, Performances, Workshops und künstlerischen Interventionen, die die Gartenstadt neu erfahrbar machen.
Wir wünschen uns sehr, dass die Ingenieurkammer uns auf diesem Weg unterstützt – denn Baukultur lebt davon, dass Menschen aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam denken, gestalten und träumen.
Das Labyrinth war also nicht nur ein Kunstwerk. Es war ein Versprechen.


Kunst, Kuchen, Kinder – und eine Bratwurst, die Legenden schreibt
Auf dem Marktplatz entstand jene Art von fröhlichem Durcheinander, die nur Orte hervorbringen, in denen jeder jeden kennt – und trotzdem alle überrascht sind, sich zu treffen.
Die Seniorengruppe servierte Kuchen, der so gut war, dass man kurz überlegte, ob man nicht doch noch ein drittes Stück „für später“ braucht. Die ABI-Gruppe des Gymnasiums grillte Bratwürste, die so meisterhaft waren, dass man ihnen eigentlich ein eigenes Wappen verleihen müsste. Und dieselben Jugendlichen verwandelten Kinder in Tiger, Feen, Superhelden – und gelegentlich in etwas, das vermutlich ein Drache sein sollte.
Vor der Schule entstand eine Kunstmeile, die aussah, als hätte jemand die Kreativität der Lausitz einmal kräftig ausgeschüttelt. Farben, Stimmen, Lachen – ein lebendiges Atelier unter freiem Himmel.


LausitzLiebe – Pflanzen, die singen (und besser im Takt bleiben als manche Menschen)

Ein poetischer Höhepunkt kam von LausitzLiebe. Jana Wieduwilt brachte einen Pavillon mit, in dem Pflanzen tatsächlich sangen.
Über Kopfhörer hörte man, wie die Natur summt, schwingt, antwortet – und einige Besucher behaupteten später, die Pflanzen hätten eindeutig Rhythmusgefühl.
Dazu gab es die LausitzBowle, so grün, dass man kurz überlegte, ob sie ebenfalls mitsingt.








 

 

 

Fotos von Fenja


Das Puppentheater „Bau-Kuh-Uhr“ – 20 Minuten Chaos, Charme und Erkenntnis

Um 15 Uhr war es soweit: Das Puppenspiel „Bau-Kuh-Uhr“ begann – und wurde zum heimlichen Star des Tages.
Unsere drei Bücherregalbewohner
Leseratte Raz,
Bücherwurm Vermiculus,
Eule Sophia,
stürzten sich mit einer Mischung aus Enthusiasmus und völliger Verwirrung in die Frage, was Baukultur eigentlich ist.
Und wie das so ist, wenn man drei sehr unterschiedliche Charaktere auf eine Bühne stellt, passierte Folgendes:
Es gab Missverständnisse.
Es gab noch mehr Missverständnisse.
Und es gab den festen Willen, alles zu klären – was natürlich in noch mehr Chaos endete.
Ob wir in 20 Minuten wirklich alles erklären konnten? Wahrscheinlich nicht. Ob hinterher mehr Klarheit herrschte? Vermutlich auch nicht. Aber eines ist sicher: Es war herrlich. So herrlich, dass selbst Erwachsene plötzlich wieder fünf Jahre alt wurden und mit offenem Mund dasaßen.


Die Kirche als Klangraum – ein Abend, der schwebte

Um 17 Uhr verwandelte sich die Martin-Luther-Kirche in einen musikalischen Klangraum. Töne schwebten durch das Kirchenschiff, mischten sich mit Licht und Gesprächen – ein Moment, der so schön war, dass er unbedingt zum Tag des offenen Denkmals wiederholt werden soll.


Harlekids, Erinnerungskultur und zwei Menschen, die nicht stillstehen können

Die Harlekids zeigten dem Minister Ausschnitte ihrer zirkuspädagogischen Arbeit – ein bunter Wirbel, der selbst ernste Gesichter zum Lächeln brachte.
Und dann waren da Jana Arlt und ich – vier Stunden lang mitten unter den Gästen. Erzählend, spielend, lesend, lachend. Wir öffneten ein Stück unserer eigenen Welt und sprachen über das, was uns antreibt: Erinnerungskultur, Baukultur, die Seele von Marga.


Ein Tag, der bleibt

Der 30. Mai war Teil des Tages der Baukultur Brandenburg 2026, eingebettet in eine Route, die den Wandel der Lausitz zeigt. Doch Marga setzte den poetischen Schlusspunkt – warm, fröhlich, humorvoll.
Ein Tag, der nicht nur stattfand, sondern passierte. Ein Tag, der zeigte, dass Baukultur nicht nur Mauern meint, sondern Menschen. Und dass Feste am schönsten sind, wenn sie ein bisschen aus dem Ruder laufen.

 

 

Fotos von Justyna