Er ist weg.
Viereinhalb Monate waren
wir zusammen.
Sind überallhin gemeinsam gegangen. Wir waren
unterwegs, haben einiges erlebt. Das gemeinsame Weihnachtsfest war
schon etwas Besonderes und auch Ostern war eine schöne Zeit
zusammen. Suchen und Finden – das war unser Ding. Er hat mich
begleitet beim Abholen der Ausstellungstafeln bei der Paketstation
und dann beim Aufhängen im Cafe „Lichtblick“. Meine eigene
LandArt-Ausstellung. Fünf Tafeln mit Bildern und Texten – ich
glaube, er hat meine Naturkunst gemocht; er ist ja selbst jemand, der
gern draußen unterwegs ist. Er hat mich dazu gebracht, mehr darauf
zu achten, was ich zu mir nehme. Wir reden hier nicht nur von Kaffee,
Alkohol, Schokolade..., sondern auch von dem was andere schreiben,
sagen, zeigen. „An apple a day keeps the doctor away“ - der
Spruch könnte sein Lebensmotto sein und ich plünderte im Supermarkt
die Stiege mit den rotbäckigen „Die Anderen“, preisgünstiger,
ohne Folienverpackung und sehr wohlschmeckend! Da saßen wir also und
schnurbselten Äpfel. Mit leuchtenden Augen habe ich meiner Familie,
meinen Freunden und auch vielen, die es vielleicht gar nicht
interessiert hat, von ihm erzählt und ihn vorgestellt. Die
Geschichte unserer ersten Begegnung ~ wie oft ich die wohl erzählt
habe. Ob Kino- oder Tanzabend – er kam mit. Nach der Fastenzeit,
gleich nach den Osterfeiertagen beim ersten Milchkaffee im Café
war er mit dabei. Also gut, das mit dem lebenslangen Verzicht auf
Kaffee das bekomme ich nicht hin, 7 Wochen von Aschermittwoch bis
Ostersonntagmorgen waren lang genug. Ob er einen Blick in meine
Notate geworfen hat, weiß ich nicht und auch nicht, was er überhaupt
zu meinen Versen zu sagen hätte. Aber er hat gelächelt, als ich
stolz die über 400 abgeschriebenen und ausgedruckten Seiten der
Notate 2025 in den Händen hielt. Er verstand, wie wichtig mir das
ist, wie bedeutungsvoll, denn er registrierte jede Stunde, die ich am
PC mit dem Abschreiben verbrachte. Fragen kann ich ihn nicht mehr, ob
er Gedichte mag, ob er meine Gedichte mag.
Er ist weg.
Der Tag
unserer Trennung war schneller heran gerückt als es mir lieb
war.
Der 2. Mai kam ja nicht überraschend und es war lange
ausgemacht, dass wir ab diesem Samstag im Mai getrennte Wege gehen
werden.
Jetzt ist er weg.
Und es ist seltsam.
Und es ist
gut.
Vielleicht bekomme ich eine Nachricht von dort, wo er jetzt
ist. Von allen Orten, an denen er jetzt sein wird. Ich würde mich
über ein Bild von ihm wirklich freuen. Wir hatten ja eine sehr
intensive Zeit miteinander.
Yana Arlt
Auch
getrennte Wege
gehen weiter
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