Freitag, 16. Februar 2018

Lyrik aus dem Marga-Atelier


"Ja, ich sehne mich nach dir."
flüstert sie
die Zeilen Rilkes lesend
Das Reclam-Heftchen
abgetragen wie ein Lieblingssommerkleid
ein Paar hellblaue Jeans
ein Paar rote Winterstiefel
Ein Paar
das war eine Idee
sommers wie winters getragen















Am Saum die Erdbeerflecken
neben der Mohnblüte
mit dem Riss von Rosendornen
Feine Stiche mit Seidenfaden
Berauschende Unreife
An den Knien die Grasflecken
durchgeschabte Beugungen
Demut und Demütigung
bis aufs Blut
bis auf die Knochen
Feine Stiche mit Seidenfaden
Betäubende Messerschnitte
An den Zehen die Salzflecken
ausgeblichener Rand
blasse Lippen
Die Stückchen Fleisch
die sich nicht mehr formen
Aufeinander gepresste Krusten
unter denen es aufspringt in der Wärme
Feine Stiche mit Seidenfaden
Bedauernde Worte
Ein Reif aus goldenem Schimmer
Einen Herbst lang ist das her
Sie drosch das Stroh
wieder und wieder
"Ja, ich sehne mich nach dir."
flechtet sie in den Kranz
und verglimmend löst sich auf
das Reclam-Heft
Asche und Staub
Früchte und Laub
Dann kommt der Frühlingssturm

~ Yana Arlt ~