Montag, 9. Januar 2023

Inspirieren lassen ~ ein Song im Radio

 

Wenn man im Radio ein Lied hört, bei dem man inne hält. Das Lied hat man vorher noch nie gehört. InterpretIn sind einem unbekannt. Es ist kein Tipp von jemandem: Da musst du unbedingt mal reinhören! Einfach nur ein Song im Radio! Schon suche ich nach dem Interpret im Internet, recherchiere, ob ich das Lied noch einmal anhören kann, ob es ein Video dazu gibt. Schicke dann zur Aufmunterung für jemand, der gerade sehr gestresst und müde ist, den Link zum Video. Dann die Rückmeldung „Gleich Mal in mehr Videos reingeschaut. Wow, warum haben wir noch keine CD von ihr? So, da wird gleich Mal gekuckt. Die Videos sind übrigens alle der Hammer.“ Und noch jemand ist meiner Einladung gefolgt, 5 min den Alltag auszuschalten. „Das ist ja ein richtiger Paukenschlag und das Video ist auch nicht schlecht.“
Ich bin kein Freund davon, jemandem Motivationssprüche, (vermeintlich) lustige Videos oder GIFs zuzusenden oder jemandem ungefragt Musik-, Literatur-, Kunst- und Filmtipps zu geben. Noch viel komplizierter wird es, wenn man offen oder verborgen erwartet, dass jemand sich mit diesen Tipps von diesem und jenem begeistern lässt. Aber wie schön ist das Gefühl, wenn ich merke, da fängt jemand Feuer, denn das sind die Dinge, die mich ab diesem Moment mit dem anderen verbinden. Vielleicht ergibt sich irgendwann ein gemeinsamer Konzert-, Ausstellungs-, Lesungsbesuch und dann läuft dieser Song, vielleicht in Jahren und Jahren, wieder im Radio und schon ist da die Erinnerung an die gemeinsame Entdeckung, das gemeinsame Erlebnis. In den vergangenen Jahren und besonders im letzten Jahr hatte ich einige dieser Ereignisse und ich bin sehr dankbar dafür! Dank an die Menschen, mit denen ich Kultur- und Kunsterlebnisse teilen durfte!

Yana Arlt




Florence – The Machine
„King“

I need my golden crown of sorrow
My bloody sword to swing
My empty halls to echo with grand self-mythology
'Cause I am no mother, I am no bride, I am king
But a woman is a changeling, always shifting shape
Just when you think you have it figured out
Something new begins to take


Ich brauche meine goldene Krone des Leides
Mein blutiges Schwert zum Schwingen,
Meine einsamen Hallen mit dem Echo meiner Selbstmythologie
Ich bin keine Mutter, ich bin keine Braut, ich bin König
Doch eine Frau ist ein wandelbares Wesen, ändert ständig ihre Gestalt
Gerade wenn du dachtest, du hättest sie verstanden
Entwickelt sich etwas Neues


Writer(s): Florence Welch, Jack Antonoff 


Textquelle: songtexte.com



NEU: Ortsteilbudget für Brieske/Dorf - Brieske/Marga ~ Alle BrieskerInnen sind zum Mitmachen aufgerufen


Freitag, 6. Januar 2023

6. JANUAR ~ Hochneujahr ~ Heilige Drei Könige ~ Epiphanias

 Plätze freigehalten mit Seeblick für:

 Caspar + Melchior + Balthasar

oder

Katharina  x  Margarethe  x  Barbara

 

Infos unter: artedeablog

 


Mittwoch, 4. Januar 2023

11. Türchen ins neue Jahr / 4. Januar


 Foto: Lydia Arlt Kirste

 

Yana Arlt


 

N   achthimmel grün und gold

E   ingegraben mit Schwert Beil Armreif

B   oden im Wald auf dem Acker

R   egen Wind Schnee Sonne der Jahrtausende

A   lt aber ewig jung und unversehrt

 

aus "Notate 2022, 3. Dezember"

Dienstag, 3. Januar 2023

10. Türchen ins neue Jahr / 3. Januar


 Zeichnung: Lydia Arlt Kirste

 

Hannah Werth


Liebe, als ob die Zeit unendlich sei

Wir haben gestern gesprochen
stundenlang in der Nacht
seit langem zum ersten Mal hat das
wieder ein Feuer der Liebe entfacht.

Weißt Du noch, wie wir uns trafen?
Fröhlich und Frei!
Wir haben getanzt bis in die Nacht,
als ob unsere Zeit unendlich sei.

Weißt Du noch?
Stundenlange Spaziergänge im Wald
wir sangen und hörten,
wie die Stimme durch die Bäume schallt.
Endlose Zeit zum Reden:
alles wollten wir besprechen
Quantenenergie, der Sinn im Leben.

Dann trat der Fleiß in unsere Mitte
hatte manche strebsame Bitte.
Wir reisten zusammen,
haben in Laboren in Chicago, Bern und Rehovot abgehangen.
studierten und doktorierten.
gemeinsam wir beide spürten
als die erste Dunkelheit einbog,
weil vor lauter Lernen und Kämpfen,
das Leben an unseren Fenstern vorbeizog.
Wie gern hätte ich damals mehr getanzt,
mit Dir fröhlich und frei,
am Ufer des Lake Michigan,
als ob Zeit unendlich sei!

Ein Schwur einte uns bis in den Tod.
Kinder hat uns die Liebe gegeben
Steuerten gemeinsam ein wachsendes Boot,
und glaubten, es könnte uns nichts die Liebe nehmen.

Wir waren zusammen ein klasse Team,
solange wir an Bord desselben Schiffes standen,
doch schwieriger wurde es,
als wir uns auf rivalisierenden Seiten fanden,
als Arbeit, Haushalt und Kinder,
Hobbies, Freunde, Zeit füreinander
Konkurrenz ums kostbarste Gut erzeugten
und wir am eigenen Leibe spürten,
das der Tag mit seinen 24 Stunden
zieht alles andere als unendliche Runden.

Und so kam der Alltag,
Der Arbeits-Familien-Spagat,
die Last der Verantwortung,
und scheinbar ohne Vorwarnung
perfektionistische Kleinlichkeit,
Hinfort war alle Leichtigkeit,
Stattdessen narzistische Vergleicherei.
Was ist hier Henne, was ist Ei?

Doch, gestern haben wir gesprochen!
Stundenlang, seit langem das erste Mal von Ängsten frei!
Gesprochen bis tief in die Nacht,
als ob Zeit unendlich sei.

Haben die richtigen Worte gewählt
um einander näher zu bringen, was uns quält.
wie sehr jeder von uns leidet
dass es uns jeweils am meisten Sorgen bereitet,
wie unsere eigene Unzulänglichkeit
den anderen hemmt und wie man IHN befreit.

Wir haben gesprochen,
wie Sorgen auf Arbeit,
Zeit rauben,
die wir eigentlich füreinander brauchen.

Haben gesprochen
wie unsere Kinder
- das Kostbarste für beide von uns -
uns oft an der Zweisamkeit hindern

Wir haben ein bisschen auch gelacht
wie wir, trotz dass wir uns zwanzig Jahre kennen
wieder denselben Fehler gemacht:

Statt Sorgen konkret und liebevoll zu benennen
haben wir uns vergraben und versucht unbedacht,
vor den Konflikten wegzurennen.

Und wir haben gestern Nacht
auch die Gewissheit wiedergefunden,
dass unsere Seelen zueinander gehören,
wie wir es ganz unumwunden,
schon vor zwanzig Jahren spürten.
Damals, als wir tanzten
fröhlich und frei
als ob Zeit unendlich sei.

Und so will ich
und bete ich,
dass wir auch in den nächsten zwanzig Jahren
OFT bis in die tiefe Nacht sprechen
und an Zeit füreinander nicht sparen,
dass wir trotz aller unserer Zicken,
nicht geizen mit innigen Blicken,
dass wir gemeinsam Sterne anschauen,
mit den Enkeln Sandburgen bauen,
dass wir noch tanzend flanieren,
weil wir den Ernst der Welt zwar spüren,
aber uns dennoch für die Leichtigkeit entscheiden
und lieber tanzen als darunter zu leiden.

Und ich hoffe, dass wir unseren Kindern werden vorgelebt haben,
wie sie sich selbst vertrauen
und vertrauen auf ihre Gaben,
wie sie Konflikte lösen, statt zu ignorieren,
wie sie Wunden wahrhaftig auskurieren.

Wir haben gesprochen letzte Nacht,
was mich nicht nur glücklich macht,
sondern auch wieder optimistisch stimmt,
dass das Lodern der Liebe nicht verglimmt,
dass nur mangelnde Dialogfähigkeit
das Feuer hüllte in ein dichtes Nebelkleid,
das Schritt für Schritt,
mit Geduld und Geschick,
mit Achtsamkeit und Zeit
sich lichtet und wandelt in ein luftiges, leicht brennbares Kleid.

Drum Liebster,
reich mir Deine Hand!
Tanz mit mir
jetzt und hier
Wie frei wir miteinander sind,
die Zeit nochmal neu für uns beginnt,
fröhlich und frei,
als ob sie unendlich sei.

 

 

Edith Arlt


Montag, 2. Januar 2023

Inspirieren lassen

 

Wieder einmal verfange ich mich in einer Biographie*. Ein paar Gemälde, ein paar Zitate, Briefauszüge, Beschreibungen von Empfindungen. Inneres und Äußeres. Die DarstellerInnen sind nicht die KünstlerInnen. Die Bilder, die über den Bildschirm flimmern, sind nicht die Realität. Die Filmaufnahme, die sich einem Gemälde nähert, ist nicht das Gemälde. Bilder, Fotos, Tonaufnahmen sind immer Vergangenheit.
Was noch vor uns liegt, welche Gedichte ich in diesem Jahr schreiben werde, welche Bilder Wolfgang zeichnen wird, welche Begegnungen uns bereichern werden, gar unser Denken und Fühlen beeinflussen, welche Situationen uns inspirieren werden – das liegt alles in der Zukunft.
Diesen Text schreibe ich jetzt: 2. Januar 2023, 12:47 Uhr.
Wenn ich ihn auf unserem NLZ-Blog poste, ist das Schreiben schon wieder Vergangenheit.
Ihr lest gerade eine Botschaft aus der Vergangenheit.

Yana Arlt


* Das DokuDrama über „Heinrich Vogeler – Maler, Genosse, Märtyrer“ ist noch bis 10. Januar 2023 in der arte-Mediathek abrufbar.

 


 

 

9. Türchen ins neue Jahr / 2. Januar


 Foto: Lydia Arlt Kirste

 

Eckhart Stein


Die blaue Stunde

Alles, was zur Mittagsstund noch bunt gewesen,
was unbeschwert, vergnügt und laut sich gab,
was alles war von heitrem Wesen,
darüber bricht der Abend seinen Stab.

Unmerklich ist die Zeit gekommen,
da sich der Tag erschöpft zur Erde neigt.
Die Welt wirkt melancholisch, irgendwie benommen.
Nur Nebel noch aus warmen Wiesen steigt.

Gleich dem schwerem Wein in meinem Glase
bleiern jetzt im See die Wellen sich wiegen,
Stille. Nur eine Grille zirpt im hohen Grase,
da tröstend wir uns aneinander schmiegen.

Ein Trauerflor, gewebt aus blauer Seide
fällt auf uns herab vom Firmament,
verleiht der Landschaft ein Geschmeide,
das weder Licht noch Schatten kennt.

Uns wird gewahr: der Abschied naht.
Ein letztes Glas, ein stummer Gruß.
Nun wird es Nacht ganz ohne Gnad.
Was allein uns bleibt, ist ein Gefühl von Blues.