Paris. Voila! Paris!
Ich fuhr nicht einmal eine Stunde und schon war ich in Paris. Zu
einem Konzert! Ein Konzert eines jungen Pianisten, von dem derzeit
die ganze Welt spricht. Ich war mächtig nervös, war den ganzen Tag,
schon die Tage zuvor, zu keinem vernünftigen Gespräch zu
gebrauchen. Hat man mir das angemerkt? Ob es wohl noch Tickets gibt?
Ich recherchiere im Internet. Ich rufe an. Ja, es sind noch reichlich
Plätze. Und es können wirklich einfach so zwei Personen kommen? Ja,
alles im grünen Bereich. Ich prüfe den Ölstand und den Reifendruck
bei meinem Auto – jetzt darf nichts dazwischen kommen. Ok, wir sind
viel zu früh. Hatte ich ja auch irgendwie so geplant. Mit den
Eintrittskarten in der Tasche suchen wir uns ein kleines Café.
Spinatquiche. Klingt köstlich. Schmeckt köstlich. Dann gern noch
einen Espresso. Schon ist es Zeit, den Saal zu betreten, die Plätze
einzunehmen... Paris. Voila! Paris! Auftritt Musca domestica! Sie ist
sehr entspannt und etwas aufdringlich. Setzt sich dreist auf das
Revers des gefeierten Komponisten und Pianisten! Der eilt in der
nächsten Szene etwas überfordert und sichtlich um Höflichkeit
gegenüber des wartenden, drängenden Publikums bemüht, zu einem der
Flügel, die zu einer Art Pianistenchallenge aufgebaut wurden. Es
spielt Liszt – Franz Liszt. Beifall. Es spielt Chopin - Frédéric
Chopin! Ach, ich kenne die Geschichte ja und doch hoffe ich, dass es
gut ausgeht, dass der Aufenthalt mit Amantine
Aurore Lucile Dupin de Francueil alias der Schriftstellerin
George Sand auf Mallorca wirklich körperliche und seelische
Besserung bringt, dass irgendjemand ein Heilmittel gegen Tuberkulose
findet und dass der Musiker älter wird als 39 Jahre. Und sie lebten
glücklich und zufrieden... Ach, ich weiß ja, dass auch die
Verfilmung eines Lebens nicht das Leben selbst ändern, verlängern,
verbessern kann. Ich kenne die Geschichte. Robert Koch entdeckte 1882
den Tuberkuloseerreger
Mycobacterium
tuberculosis
– da war Chopin schon 33 Jahre tot. Erst 1943, fast auf den
Tag genau 94 Jahre nach Chopins Tod wurde das erste wirksame
Heilmittel gegen Tuberkulose (Streptomycin) isoliert. (Selman A.
Waksman/ Albert Schatz) Unzählige KünstlerInnen litten und starben
an der Krankheit – so der englische Dichter John Keats, der am 31.
Oktober vor 231 Jahren geboren wurde und im Alter von 26 Jahren in
Rom starb. Warum Rom? Weil Kollegen von ihm Geld für diese Reise
sammelten, damit er im milderen italienischen Klima Linderung
erfahren sollte. Er kam nie nach England zurück, auch seine
Beisetzung fand in Rom statt. Auf seinem Grabstein ist eine Lyra
abgebildet. Kein Name. Nur: „Young English Poet“. Frédéric
Chopin ist in Paris beigesetzt. Sein Herz ruht in seinem Heimatland –
in der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau.
Yana Arlt
Ich gestehe, ich habe „Ein Winter
auf Mallorca“ nie zu Ende gelesen … könnte ich mal wieder in die
Hand nehmen das Buch, jetzt, da es so früh dunkelt ~
Und du?
Kennst du die Kompositionen von Chopin? Hast du ein
Lieblingsstück?
Hier geht es zu den Nachtstücken, den
Nocturnes.
Übrigens:
Eryk Kulm, der Darsteller des Frédéric Chopin spielt selbst! mehr
erfahren: rondomagazin
George Sand
„Als
Kranker war der arme große Künstler unausstehlich. Was ich
befürchtet, leider aber nicht gründlich durchdacht hatte, traf ein.
Er verzagte vollkommen. Obwohl er sein Leiden recht mutig ertrug,
konnte er seiner erregten Phantasie nicht Herr werden. Das Kloster
war ein Ort der Schrecken und der Geister für ihn…“
aus
„Ein Winter auf Mallorca“