Werter Richard Fuchs,
vielen Dank für den vielseitigen Abend
unter der Überschrift „Ich bin Musik“ ~ und lange klangen diese
Melodien und Worte nach, die Sie für diesen Abend ausgesucht,
zusammengestellt, geprobt und aufgeführt hatten. Vor allem regte
diese musikalische Darbietung sehr stark meine Erinnerung an meine
erste Sololesung an. Selbstverständlich ist es etwas anderes, wenn
man singt und auf einer Theaterbühne steht, auf Bühnenerfahrung und
professionelle Menschen „hinter den Kulissen“ zurückgreifen
kann. Aber das vermindert ja das Lampenfieber nicht, das schützt
nicht vor „Texthängern“ und kleinen Unperfektheiten, die bei
Liveauftritten immer wieder passieren. Meiner Meinung nach haben Sie
einen großartigen Abend organisiert! Die vielen emotionalen Momente
bei der Rückschau auf den eigenen Lebensweg/ Bühnenweg – das kann
ich so gut nachvollziehen. Ich war damals 3 Jahre älter, als ich
mein erstes Soloprogramm gestaltete. Ich schreibe seit meiner Jugend
Gedichte, hin und wieder auch Prosa. Der erste Text, an den ich mich
bewusst erinnern kann, entstand für die Schülerwandzeitung – ich
mag wohl 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. An die Resonanz kann ich
mich nicht erinnern auch nicht, dass es jemanden gegeben hätte, der
in diesen Zeilen ein Talent erkannt und gefördert hätte. Es gab in
der DDR viele Möglichkeiten als kreativer, talentierter junger
Mensch gefördert zu werden aber es gehört eben auch dazu, dass
Eltern, Lehrer, Großeltern, Erzieher oder andere Personen ein Talent
in einem Kind, einem Jugendlichen erkennen und ihn auf Wege führen
und begleiten, auf denen eine Formung und Entwicklung möglich ist.
Menschen, die ihn ermutigen und stärken. Ich war ungefähr in dem
Alter, in dem Sie heute sind, als ich einem Menschen begegnete, der
für mich eine Art „Mentor“ auf dem Gebiet des Kreativen
Schreibens und der Kulturellen Bildung war und ist. Wolfgang Wache war der Erste, der in meinen Versen
etwas sah, der mich zu Schreibcamps einlud, mir Verantwortung für
Gedichteworkshops übertrug... wir gründeten den Verein „Ich
schreibe!“ in Senftenberg/ Brieske, wir fördern schreibenden,
kreativen Nachwuchs, gestalten Veranstaltungen mit KünstlerInnen
verschiedenster Genres. Er brachte mich als 25 Jährige, als
Preisträgerin eines Literaturwettbewerbs auch auf diese
Theaterbühne, auf der Sie am vergangenen Samstag standen, um damals
eine Laudatio bei der Preisverleihungsveranstaltung für diesen
Schreibwettbewerb zu halten. Dann, vier Jahre später, schuf ich mir
meine eigene Bühne, ich engagierte ein Musikertrio, lud literarische
Wegbegleiter ein, einen Gastauftritt zu gestalten – natürlich war
einer davon Wolfgang Wache -, eigene Fotografien, mit einem
Diaprojektor an die Wand geworfen, bildeten meine Kulisse. Das
tragende Element dieses literarisch-musikalischen Abends waren meine
eigenen Gedichte. Natürlich gab es an diesem Abend und bei vielen
weiteren Veranstaltungen immer wieder auch Momente tiefer
Dankbarkeit, tiefer Emotionen. Werter Richard Fuchs, lassen Sie sich
diese Tiefe und Emotionalität, die auch immer Authentizität ist,
nie nehmen! Das ist, was ich Ihnen am meisten wünsche. Wer vermag zu
sagen, wohin uns das Leben treibt. Es gibt Notwendigkeiten,
Hindernisse, Unmöglichkeiten, Chancen, Verluste, Gewinne... zur
richtigen Zeit am falschen Ort, falsche Menschen am richtigen Ort...
Begegnungen, die stärken; Begegnungen, die ent-täuschen... Fehler
und Wunder! Bewahren Sie sich Ihre Freude, Ihre Begeisterung, Ihre
Überzeugung, denn das sind die, die Sie durch schwere Zeiten tragen
werden. Erinnern Sie sich immer mal wieder an diesen Abend, den 24.
Januar 2026, auf der Großen Bühne der „neuen Bühne“
Senftenberg! Erhalten Sie sich diese Momente! Der erste Soloabend –
es ist ein Beginn! Ihnen alles Gute auf dem weiteren künstlerischen
und persönlichen Weg!
Yana Arlt
Oscar Wilde
Ich
liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das
Leben.