Montag, 5. Januar 2026

12. Türchen ins neue Jahr ~ 5. Januar * Lydia Arlt Kirste * Das Wortkollektiv *

~ Lydia Arlt Kirste ~ 


 
 

 

 ~ Das Wortkollektief ~

 

Geistreichlichkeiten der Briesker Wortakrobaten

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Schnitzel Brandenburger Art

- Brenzliger Geruch in der Küche -

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Erleuchtung in der Küche

- Eine neue Birne (LED) -

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Hochschulabschluss

- Der Hausmeister zieht den Schlüssel ab -

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Sonntag, 4. Januar 2026

11. Türchen ins neue Jahr ~ 4. Januar * Yana Arlt * Lydia Arlt Kirste *

 ~ Yana Arlt ~

 

PAPIER


Auf Transparentpapier
schreibe ich meinen Namen
Entlang der blauen Adern
bin ich undurchschaubar
Der Name ist
falsch geschrieben
Namen sind Schall und Rauch
auch auf verbranntem
80 g/m² Papier
90 Gramm
100
120
Das stetig steigende Gewicht
verleiht dem Dokument
nicht mehr Bedeutung
Verfestigt sich die Identität?
Geruch verbrannten Papiers
Rabenschwarze Fetzen
die vom letzten Atemzug
fortgetragen werden
In der Glut
auf einem angesengten
Buchumschlag ist
ein falsch geschriebener Name
zu lesen

 

~ Lydia Arlt Kirste ~

 


 Foto: Vernissage "Die Geste 4" / "Hole of Fame" Dresden / 10. April 2025

 

Samstag, 3. Januar 2026

10. Türchen ins neue Jahr ~ 3. Januar * Eckhardt Stein * Lydia Arlt Kirste *

 ~ Eckhardt Stein ~

 

Hoffnungsvoll ins Neue Jahr

Besinnen möge es sich, unser Land,
auf Werte und Tugenden, für die es einmal stand.

Bunt soll es wieder werden, unser Land,
weltoffen, respektvoll und tolerant.

Klug regiert will es sein, unser Land,
mit Leidenschaft, Vernunft und Verstand.

Friedliebend sei es, unser Land,
statt zu rüsten für einen neuen Weltenbrand.

Dass es gedeihe und wieder blühe, unser Land,
es liegt allein in unsrer Hand.

 

 

~ Lydia Arlt Kirste ~

 

 


Freitag, 2. Januar 2026

9. Türchen ins neue Jahr ~ 2. Januar * Christiane Piniek * Lydia Arlt Kirste *

 ~ Christiane Piniek ~

 

Liebes NLZ-Team,

spontan ist mir ein wendisches Sprichwort eingefallen, es wäre schön, wenn es entsprechend gestaltet werden könnte:


Słowo njama wogonja, aby jo mógał slědk śěgnuś. 
(serbske pśisłowo)

Das Wort hat kein Schwänzlein, an dem man es zurückziehen könnte. 
(wendisches Sprichwort)

 

 

Eine Illustration des Sprichworts gibt es an dieser Stelle (noch) nicht.

Wir stellen diese Wandmalerei den Worten an die Seite - weil es einfach irgendwie passt.  

 

 

~ Lydia Arlt Kirste ~ 


 

Donnerstag, 1. Januar 2026

8. Türchen ins neue Jahr ~ 1. Januar * Yana Arlt * Marvin Schmidt *

 ~ Yana Arlt ~

Gemeinsamer Gang durch das Labyrinth

Während des Hineingehens zur Mitte werden Dinge ausgesprochen, die man loslassen möchte. Jeder Teilnehmende kann etwas sagen, worauf die ganze Gruppe antwortet: Geh weiter


Ich habe Angst
GEH WEITER
Ich mache mir Sorgen
GEH WEITER
Ich habe Schmerzen
GEH WEITER
Ich habe Wut
GEH WEITER
Ich bin erschöpft
GEH WEITER
Ich sehe keinen Weg, kein Ziel, keinen Sinn
GEH WEITER


Ab der Mitte werden Dinge benannt, die gut und schön sind und verstärkt werden sollen


Es ändert sich etwas
GEH WEITER
Woher kommt der Rhythmus
GEH WEITER
Jemand singt einen Kindervers
GEH WEITER
Dort vorn schimmert Licht
GEH WEITER
Es wird so friedlich
GEH WEITER
Meine Schritte sind leicht
GEH WEITER


Wenn auch der Letzte das Labyrinth verlassen hat, stehen alle um das Labyrinth, sehen sich gegenseitig an und sprechen gemeinsam:


ICH BIN HIER
DU bist hier
ER ist hier
SIE ist hier
ES ist hier
WIR SIND EINS


(Yana Arlt, Brieske-Marga, Deutschland - Mai 2025)

 

~ Marvin Schmidt ~

 


 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

7. Türchen ins neue Jahr ~ 31. Dezember * Renate Hensel *

 ~ Renate Hensel ~

  

 

Zeit

Zum Bild „Die Zeit“.
Es entstand 1999 während eines
internationalen Pleinairs von Kunstfreunden
in unserer Partnerstadt Püttlingen.
Pastell auf Papier, 50x70cm



Sie ist immer da.
Unendlich.
Frei.
Messbar erst,
als der Mensch ihr Fesseln anlegte,
als Anfang und Ende,
und Vergänglichkeit
ein Maß wurden.

Von nun an gefesselt
schien sie unfrei, scheinbar.

Wir können sie nicht festhalten
und alle Zeitmaschinen
müssen kapitulieren
wie wir,
die versuchen, ihr Dauer zu verleihen.

Sie ist nur ein kostbarer Augenblick
in der Unendlichkeit.


 

Dezember 2025, im Bewusstsein, dass 2026

mein 86stes Lebensjahr ist…


Dienstag, 30. Dezember 2025

6. Türchen ins neue Jahr ~ 30. Dezember * Alexander Kiensch * Eckhardt Stein *

~ Alexander Kiensch ~

 

An Brigitte

So richtig
habe ich dich nie gekannt
Und ob du
mir das glaubst oder nicht
das hat mir immer schon
ein bisschen leidgetan
Im Krieg zur Welt kommen
Aufwachsen in Stunde Null
Fünf Kinder aufziehen
ganz alleine
Wie hättest du mich mehr
beeindrucken können
Dabei fehlte uns stets
die Nähe
die du dankenswerterweise
von deinen anderen Enkelkindern
bekommen konntest
die deine Interessen teilten
deinen Musikgeschmack
und deinen Tagesablauf
unsere Besuche
so gezwungen sie auch manchmal waren
gehörten doch
zu meinen tiefsten Ritualen
und das Wenige
das uns verbindet
werde ich wirklich vermissen
das weiß ich nicht erst jetzt
Ob das allweihnachtliche Singen
von „Oh Tannenbaum“
– immer nur
die erste Strophe –
oder der geschenkte Rotwein
den ich Biertrinker
meinen Gästen gut kredenzen konnte
Ob wir wollten oder nicht
wir sind
und bleiben
ein Teil unserer Leben
und das war
für mich
auf seine ganz eigene Weise
sehr schön

 

~ Eckhardt Stein ~ 

 


 ~ Alexander Kiensch ~

 

An Margaret

Zwischen den Sonnenblumen
fandest du Ruhe
ein letztes Mal

Kein Erschrecken mehr
über deine Anfälle
Kein Widersprechen
deinen herrischen Befehlen
kein Augenrollen
wegen deiner schrulligen Ideen

Nur noch Erinnern
an Streitereien und Nervenkriege
lange Autofahrten und Züge nach Magdeburg
Berge an Süßigkeiten und gemeinsame Weihnachtsabende

Wovon soll ich noch reden
wenn ich von dir rede?
Der selbstgemachten Tomatensoße?
Deiner Freude über jeden Anruf?
Den vielen Sommerferien
bei dir und Opa?
Quelle so vieler
wunderbar nostalgisch verklärter Kindheitserinnerungen

Ja, okay
zu Ostern gab es stets
den Papstsegen im Fernsehen
während des Kaninchenbratens
den du den ganzen Vormittag
vorbereitet hattest

Aber warst du deshalb
wirklich tief christlich
wie der Pfarrer bei seiner Rede behauptete?
Kannte er dich besser?
Das möchte ich bezweifeln.
Vielleicht nur anders
Nur diesen einen Aspekt von dir

Und ich?
Welche kannte ich?
Wie viele?
Die liebende Großmutter
Fordernde Mutter
mitunter harte Schwester
vor allem aber
immer und ausnahmslos
der Familie verpflichteter Mensch

Deshalb fehlst du so sehr
und ginge es nur darum
mir ein Taschentuch zu reichen
für die Tränen
beim Schreiben dieses Textes

Du bist nicht mehr da
aber vergessen
vergessen wirst du
noch sehr sehr lange nicht

 

 

 

 

Montag, 29. Dezember 2025

5. Türchen ins neue Jahr ~ 29. Dezember * Jill Fräncis Käthlitz * Iris Brankatsch *

 ~ Iris Brankatsch ~

~ Jill Fräncis Käthlitz ~  Źilka ~

 

Inspiriert vom Bild der Künstlerin Iris Brankatschk: „Mädchen mit Kescher“ (2015), Gouache auf Papier. Noch bis 19. Februar zu sehen in der Sonderausstellung „Mit weiblichem Blick / Ze žeńskecym póglědanim“ im Wendischen Museum Cottbus.

Inspirěrowana wót wobraza Iris Brankačkoweje: „Źowćo z kašerjom“ (2015), guaša na papjerje. Hyšći až do 19. februara wiźeś we wósebnej wustajeńcy Ze žeńskecym póglědanim / Mit weiblichem Blick“w Serbskem muzeju Chóśebuz.

 


 

 

 

Ein weiterer Text von Jill in deutscher und sorbischer Sprache zu einem Bild in der Ausstellung „Mit weiblichem Blick / Ze žeńskecym póglědanim“ ist im Post vom 22. Dezember 2025 zu lesen.

Sonntag, 28. Dezember 2025

4. Türchen ins neue Jahr ~ 28. Dezember * Monika Walendy * Wolfgang Wache *

 ~ Monika Walendy ~

 

Schöne Worte

Wenn ich alle schönen Worte gesammelt hätte
könnte ich daraus ein Haus aus Freundschaft bauen

Wären Taten gefolgt
könnte ich dort wohnen
und mit den Freunden Kaffee trinken

Aber der Rohbau ist verwaist
fühlt sich allein und ungeliebt
bekommt auch keine schönen Worte
wartet auch nicht mehr auf Taten

 

~ Wolfgang Wache ~

 


 Veröffentlicht im Kalender "Atelierfundstücke" 2025

Samstag, 27. Dezember 2025

3. Türchen ins neue Jahr ~ 27. Dezember * Albrecht Ecke * Eckhardt Stein *

 ~ Albrecht Ecke ~


sand


denk mal
über sand nach
dreihundertmillionen
jahre alt
in der
sanduhr
minuten zählen
wie lächerlich

im getriebe
kurzes knirschen
und dann
geht alles weiter
wie gehabt

zwischen den zähnen
spül
hattest du was zu sagen
schlucks

aber am strand
angespült
immer  
in bewegung
wasser salz kiesel
muscheln treffen sich
aus jahrhunderten
unter deinen füßen
und
du dazu

 

Hiddensee, September 2025

 

~ Eckhardt Stein ~