Montag, 28. September 2026

Inspirieren lassen ~ Kino

 

Nun sitze ich im Kinosessel. Sitze ein bisschen verunsichert. Ein für mich sehr bedeutsamer Film bekam eine Fortsetzung an die Seite gestellt. Eigentlich ist es ganz gleich, was ich in den kommenden zwei Stunden auf der Leinwand sehen werde. Ich bin hier – nach diesem langen Weg bin ich hier. Ich habe keine Ahnung, wie die Abläufe in einem normalen Kino sind – wann war ich das letzte Mal.... Überhaupt bin ich nicht wirklich ein Kinogänger und gleich gar nicht in ein normales Kino. Bei den Filmen in der Kufa in Hoyerswerda ist das was ganz Anderes und das „Kino unterm Sternenzelt“, organisiert durch den Senftenberger Kranich e.V. - na, das ist ja etwas ganz Besonderes... steht ja auch im Untertitel „Der besondere Film“. Im besten Fall können die 3 Filmabende, jährlich im August und September sogar unter freiem Himmel, eben unter dem Sternenzelt, im Hof des Bürgerhauses „Wendische Kirche“ stattfinden. Was habe ich da schon für wunderbare Filme gesehen! Und zum Filmabend „Chocolat“ standen wir sogar in der Küche und kochten für die Kinogäste in einem großen Topf „guatemaltekischen Liebestrank“, ein Schokoladenrezept mit Chili. Ewig ist das her. Ich erinnere mich an die Pausen, die entstanden, weil die zweite Filmrolle eingesetzt werden musste. Noch heute gibt es eine Pause, obwohl die Filme längst von DVDs abgespielt werden. Ich erinnere mich an einen besonderen Filmabend in der „Marie 23“ in Cottbus... immer sind es auch die Menschen, mit denen ich die Filme gesehen habe, der besondere Ort, der Weg dorthin, die Atmosphäre vor der Leinwand. Nun sitze ich also auf dem roten Velour der Extra Kinowelt. Irgendwie war das anders geplant. Aber irgendwie ist das auch in Ordnung, dass ich hier nun allein sitze. Hinter mir schnurbst jemand Nachos... seit wann gibt es Nachos im Kino? Ich hoffe inständig, dass der Snack noch vor Beginn des Films aufgegessen ist. Plötzlich geht es los... mit der Werbung... kein absteigender Dreiklanggong, kein Vorhang, der sich bedeutungsvoll aufschiebt, irgendwann wird das Saallicht gedimmt. Oh man, ich war echt lange nicht mehr im Kino. Aber nun bin ich hier. Es kann losgehen. Zum Glück kann ich mich bei all den Eindrücken, die auf mich einprasseln, gar nicht mehr an den Trailer erinnern. Nur der erste Film ist mir bis ins Detail vor Augen und ich versuche zu verorten, wo dieser Streifen nun ansetzt. Es gibt minimale Unstimmigkeiten aber die verzeihe ich. Ich lache, heule, zucke zusammen... ich rieche die Speisen, die auf dem Tisch stehen, ich spüre die Berührungen, den Verlust, die Freude... Es gibt ruhige Szenen nonverbaler Kommunikation oder wenigen Worten... überhaupt ist alles viel ruhiger, mit einem berührenden Gespür für Details in der Kleidung, den Frisuren, den Interieurs. Die Figuren und die Darsteller sind älter geworden... reifer? … weiser? … ruhiger? Ich bleibe sitzen bis fast zur letzten Note der Abspannmusik. Herauskatapultiert in die Wirklichkeit aber immer noch etwas Filmzauber in den Haaren. Mit all diesen Empfindungen sitze ich dann am Feuer im Garten... Vollmondnacht... Wir schneiden Champinons, pflücken Tomaten, halten die Eisenpfanne über das offene Feuer, es brutzelt, zischt, duftet, schmeckt.
Wo warst du vor unserem Treffen?
Im Kino.

Yana Arlt


Unter dem Begriff guatemaltekischer Liebestrank versteht man in der kulinarischen Welt eine scharfe, heiße Schokolade mit Cayennepfeffer.

Dieses traditionelle Getränk basiert auf den alten Traditionen der Maya, die Kakao nicht als süße Nascherei, sondern als bitteres, anregendes und rituelles Stärkungsmittel tranken. Die Kombination aus der anregenden Wirkung von Kakao und der Durchblutung fördernden Schärfe von Chili gilt seit Jahrhunderten als natürliches Aphrodisiakum.

Rezept für den Liebestrank (2 Personen)

Das Getränk lässt sich in etwa
20 Minuten einfach zu Hause zubereiten:
100 g Bitterschokolade (mindestens 70 % Kakaoanteil)
½ Liter Milch (oder eine pflanzliche Alternative)
1 Prise Cayennepfeffer (je nach gewünschter Schärfe)
1 Vanilleschote (das ausgekratzte Mark)
2 EL Honig oder Rohrzucker zum Süßen
Optional: Ein Schuss dunkler Rum aus Guatemala für zusätzliche Wärme.
Zubereitung: Die Milch zusammen mit dem Vanillemark und dem Cayennepfeffer langsam erwärmen. Die Bitterschokolade in kleine Stücke brechen und in der heißen (nicht kochenden) Milch unter ständigem Rühren schmelzen lassen. Zum Schluss mit Honig süßen und heiß servieren.

Textquelle: Internet