Montag, 21. September 2026

Inspirieren lassen ~ Dem Leben in Rechnung stellen

 

Da sind sie, die typischen Rufe der Wildgänse, wenn sie in V-Formation über den Himmel ziehen. Ein Reiher erhebt sich fast lautlos, als ich auf dem Radweg am See an ihm vorüberfahre. Vier Schwäne ziehen über das Graublau des Septembermorgens. Erwartungsfroh breite ich die Zeltplane auf dem taufeuchten Gras aus – in fünf Stunden werden wir sehr traurig und entkräftet die vom Wind verbogenen Zeltstangen ins MARGA-Atelier ausladen. Wieder einmal hat uns das Wetter in diesem Sommer alle Pläne vom Tisch geweht. Sehen Raz und Vermiculus auch traurig aus, schaut mich Sofia vorwurfsvoll an? Unsinn, die Figuren sind nur aneinandergenähte Stoffstücken, die Köpfe gefüllt mit Watte, die Augen aus Plast aufgeklebt. Ich deute etwas hinein. Ich projiziere meine eigene Unzufriedenheit in den Faltenwurf des grauen und braunen Stoffs, in das Vornüberfallen des Kopfteils, als ich die Leseratte auf die Trinkflasche ziehe. Ich selbst gebe den Figuren Leben mit der Bewegung meiner Hand, meiner Finger und meiner Stimme. Nun bleibt nichts mehr zu tun. Der Samstag war anders geplant. Man bereitet nicht etwas vor, man plant und probt nicht für einen Abbruch. Was fange ich jetzt an mit der Leere? Wie stoppe ich das Gedankenkarrussel in der Zeit, in der sich die Zeiger auf 14Uhr30 drehen, auf 15 Uhr, auf 16 Uhr... jetzt hätten wir... wir würden jetzt... Die Zeit und Kraft, die wir hineingesteckt haben in die Vorbereitung dieser Veranstaltung... aber diese „Investition“ berechtigt uns zu nix. Eine Geburtsurkunde ist kein Bon, den man für 1 x Glück, 3 Scheiben Erfolg, 2 Flaschen Erfüllung, 100g Frieden, 6 Packungen Liebe einlösen kann. Niemand kann seine Fehler, Misserfolge, Enttäuschungen des Lebens in Rechnung stellen. Im Atelier neben der zusammengerollten Zeltplane, den verbogenen Stangenelementen, den ungenutzten Bücherkisten und den unausgepackten Bühnenelementen zu sitzen, den Zetteln in der Hand, deren Text kein Kind zu hören bekam, das zieht mächtig runter. Und doch ist da auch Erleichterung – nur die Zeltstange ist verbogen, nur die Plane ist zerrissen – allen Menschen, die den Versuch unternahmen, dem Wind zu trotzen, geht es gut. Ich suche nach dem richtigen Resumee, einer aufbauenden Konsequenz für das weitere Engagement. Das Stück ist geschrieben. Die Figuren stehen einsatzbereit auf dem Tisch... ich schaue sie an und ja, da ist ein leichtes Nicken der Eule zu sehen und ein Grinsen der Leseratte, der Bücherwurm hat mir zugezwinkert – ja, ganz bestimmt. Auf manche Dinge können wir uns nicht vorbereiten. Manches geschieht ohne unsere Billigung und begegnet uns ohne unser Einverständnis. Was machen wir nun daraus?
Am Sonntag habe ich ein längeres Gedicht geschrieben, mir einen fabelhaften Film angesehen, war im See schwimmen, habe wunderbare Gespräche geführt, habe einen liebevoll zubereiteten Kaffee genossen, habe dem Regen gelauscht und bestätige – heute, am Montagmorgen - die Worte von Marilyn Monroe „Alles passiert aus einem Grund. Menschen ändern sich, damit du lernst, loszulassen. Dinge gehen schief, damit du zu schätzen weißt, wenn es gut läuft. Du glaubst einer Lüge, damit du lernst, nur dir selbst zu vertrauen und manchmal bricht etwas Gutes auseinander, damit etwas Schöneres zusammenkommen kann.

Yana Arlt



planetgeschichte/ Instagram

Ich kann immer noch nicht glauben,
dass wir Menschen einen Planeten
voller Bäume, Früchte, Wasser, Tiere
und Sonnenschein geschenkt
bekommen haben
und daraus
Schulden, Kapitalismus, Kriege und
Künstliche Intelligenz gemacht haben.

 


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Eine schöne Woche euch allen! Bleibt / werdet gesund und kreativ!