Es war wie ein Spaziergang durch Raum
und Zeit ~ die Führung durch die Sonderausstellung „800 Jahre
Aberglaube und Magie“, die am vergangenen Sonntag zum letzten Mal
im Museum Westlausitz in Kamenz geöffnet war. Erst konnte ich es gar
nicht verstehen, dass mir eine Anmeldung zur Führung sehr ans Herz
gelegt wurde. Ein Museum. Eine Ausstellungsführung. Ein
Sonntagnachmittag. Na gut, dann melde ich uns mal an. Die Tür zum
Eingangsbereich war kaum zu öffnen, so viele Menschen standen beim
Einlass an. Ich war überrascht. Und erfreut und erleichtert, dass
ich der Empfehlung Folge geleistet hatte. Nun stand ich also mit den
ausgedruckten Buchungen in der langen Schlange und war etwas unruhig,
denn in einer Viertelstunde sollte bereits die Führung beginnen...
Alles war wunderbar organisiert, ich bewunderte die Ruhe und das
systematische Vorgehen der jungen Frau an der Kasse. Auch die beiden
Nachzügler unserer kleinen Gruppe waren bald eingetroffen, wir
suchten uns ein (Steh)Plätzchen im ersten Ausstellungsraum und es
ging los. Ein mumifizierter Hasenfötus, Briefe, die abgeschrieben
und bei sich getragen vor Hieb-, Stich- und Schusswunden schützen,
an die Pforten genagelte Eulen, ein Stück Holz einer vom Blitz
getroffenen Eiche, kleine Figuren in Krötenform sogenannte
Gebärmutterkröten, Hexenprozesse in Görlitz,
schreiende/kreischende Alraunen, Wolle vom Hodensack des Lamaschafes,
Mutterkornmühle, Alchemie und Astrolabium... ich nehme die
Ausführungen von Friederike Koch-Heinrichs wie ein Schwamm auf.
Einiges kenne ich bereits, weil ich mich ja ein Leben lang mit den
Themen Volksglaube und Magie auseinandersetze aber einige
Informationen sind mir neu und natürlich interessieren mich
besonders die regionalen Ausstellungsexemplare und Geschichten. Vor
der Vitrine mit dem Astrolabium schweife ich mit meinen Gedanken kurz
ab. Die alten Messinstrumente faszinieren mich – Kompass,
Astrolabium, Sonnenuhr... da stellt sich natürlich gar nicht die
Frage, ob ich den Ausstellungskatalog mitnehme oder nicht. Vollkommen
erschöpft lassen wir uns auf die Stühle des Museumscafés
plumpsen. Es ist mittlerweile halb fünf Uhr Nachmittag. Noch gibt es
ein Stück Kuchen, einen Kaffee, einen freundlichen Mann, der unsere
Bestellung aufnimmt und bald auch die gefüllten Tassen und Teller
bringt. Ich hatte recherchiert, welche Cafés
es in Kamenz gibt, die am Sonntag geöffnet sind. Meine Informationen
stoßen auf taube Ohren. Wenn man schonmal hier ist, schaut man sich
auch die Dauerausstellung an. Zwischen den Happsen und Schlucken wird
das Erlebte und Erfahrene ausgewertet. Ich muss zugeben, dass ich mir
noch mehr Ausführungen über „Aberglaube und Magie“ speziell in
unserer Heimatregion, in der Lausitz erhofft hatte – ich denke an
die „Vorschriften“ für die 12 Raunächte, an Zauberkräuter und
Heilsteine, an die Mythologie der Slawen, an Bräuche... wie das
Maifeuer/ die Walburgisnacht, die fatalerweise auch als „Hexenfeuer“
oder „Hexenbrennen“ bezeichnet werden und ja in wenigen Tagen
zumeist auf den Dörfern der Lausitz unter dem Maibaum lodern. Die
Räume der Sonderausstellung sind nicht groß und eine
Herausforderung mit zwei knapp zeitversetzten Führungen à 20
Personen. Dem Zauber, der Magie der Exponate tun sie keinen
Abbruch.
Und nun frische ich mein Wissen über die Funktionsweise
eines Astrolabiums auf, das übrigens auf die „Geburtsdaten“ der
Stadt Kamens eingestellt ist – so erzählte es die Museumsleiterin
und Archäologin Koch-Heinrichs. Übrigens: Chapeau! Was die beiden
Frauen, die Dutzende Besucher durch die Ausstellung führten, an
diesem Tag mit ihren Stimmen und Füßen leisteten, war
„Hochleistungssport“.
Yana
Arlt
Jedes
Astrolabium besteht aus einem Gehäuse, der Mater, mit einer
zylindrischen Vertiefung zur Aufnahme der Einlegescheibe, dem
Tympanon, falls vorhanden, und der durchbrochenen Scheibe, der Rete,
die im wesentlichen aus einem Ring für den Wendekreis des Steinbocks
und einem Ring für die Ekliptik besteht. Beide sind durch einen Steg
mit einander verbunden, der durch den Nordpol geht. Dort liegt die
Achse, um die sich die Rete drehen lässt. Diese, d.h. die Ekliptik,
ist in der Abbildung nach oben gedreht, nicht ganz nach Süd-Nord,
etwa 6º nach rechts, wie man an der rechteckigen Öse am oberen Ende
der Ekliptik gegen die Mater sehen kann.
Man beachte, dass
der Wendekreis des Steinbocks innen und die Ekliptik außen am
jeweiligen Metallring anliegt. Bei manchen Nachbildungen ist das
falsch wiedergegeben
Textquelle:
https://www.experimentis-shop.de/erklaerung-zu-astrolabium-und-armillarsphaere