Nun
sitze ich im Kinosessel. Sitze ein bisschen verunsichert. Ein für
mich sehr bedeutsamer Film bekam eine Fortsetzung an die Seite
gestellt. Eigentlich ist es ganz gleich, was ich in den kommenden
zwei Stunden auf der Leinwand sehen werde. Ich bin hier – nach
diesem langen Weg bin ich hier. Ich habe keine Ahnung, wie die
Abläufe in einem normalen Kino sind – wann war ich das letzte
Mal.... Überhaupt bin ich nicht wirklich ein Kinogänger und gleich
gar nicht in ein normales Kino. Bei den Filmen in der Kufa in
Hoyerswerda ist das was ganz Anderes und das „Kino unterm
Sternenzelt“, organisiert durch den Senftenberger Kranich e.V. -
na, das ist ja etwas ganz Besonderes... steht ja auch im Untertitel
„Der besondere Film“. Im besten Fall können die 3 Filmabende,
jährlich im August und September sogar unter freiem Himmel, eben
unter dem Sternenzelt, im Hof des Bürgerhauses „Wendische Kirche“
stattfinden. Was habe ich da schon für wunderbare Filme gesehen! Und
zum Filmabend „Chocolat“ standen wir sogar in der Küche und
kochten für die Kinogäste in einem großen Topf „guatemaltekischen
Liebestrank“, ein Schokoladenrezept mit Chili. Ewig ist das her.
Ich erinnere mich an die Pausen, die entstanden, weil die zweite
Filmrolle eingesetzt werden musste. Noch heute gibt es eine Pause,
obwohl die Filme längst von DVDs abgespielt werden. Ich erinnere
mich an einen besonderen Filmabend in der „Marie 23“ in
Cottbus... immer sind es auch die Menschen, mit denen ich die Filme
gesehen habe, der besondere Ort, der Weg dorthin, die Atmosphäre vor
der Leinwand. Nun sitze ich also auf dem roten Velour der Extra
Kinowelt. Irgendwie war das anders geplant. Aber irgendwie ist das
auch in Ordnung, dass ich hier nun allein sitze. Hinter mir schnurbst
jemand Nachos... seit wann gibt es Nachos im Kino? Ich hoffe
inständig, dass der Snack noch vor Beginn des Films aufgegessen ist.
Plötzlich geht es los... mit der Werbung... kein absteigender
Dreiklanggong, kein Vorhang, der sich bedeutungsvoll aufschiebt,
irgendwann wird das Saallicht gedimmt. Oh man, ich war echt lange
nicht mehr im Kino. Aber nun bin ich hier. Es kann losgehen. Zum
Glück kann ich mich bei all den Eindrücken, die auf mich
einprasseln, gar nicht mehr an den Trailer erinnern. Nur der erste
Film ist mir bis ins Detail vor Augen und ich versuche zu verorten,
wo dieser Streifen nun ansetzt. Es gibt minimale Unstimmigkeiten aber
die verzeihe ich. Ich lache, heule, zucke zusammen... ich rieche die
Speisen, die auf dem Tisch stehen, ich spüre die Berührungen, den
Verlust, die Freude... Es gibt ruhige Szenen nonverbaler
Kommunikation oder wenigen Worten... überhaupt ist alles viel
ruhiger, mit einem berührenden Gespür für Details in der Kleidung,
den Frisuren, den Interieurs. Die Figuren und die Darsteller sind
älter geworden... reifer? … weiser? … ruhiger? Ich bleibe sitzen
bis fast zur letzten Note der Abspannmusik. Herauskatapultiert in die
Wirklichkeit aber immer noch etwas Filmzauber in den Haaren. Mit all
diesen Empfindungen sitze ich dann am Feuer im Garten...
Vollmondnacht... Wir schneiden Champinons, pflücken Tomaten, halten
die Eisenpfanne über das offene Feuer, es brutzelt, zischt, duftet,
schmeckt.
Wo warst du vor unserem Treffen?
Im Kino.
Yana
Arlt
Unter
dem Begriff guatemaltekischer
Liebestrank
versteht man in der kulinarischen Welt eine scharfe,
heiße Schokolade mit Cayennepfeffer.
Dieses
traditionelle Getränk basiert auf den alten Traditionen der Maya,
die Kakao nicht als süße Nascherei, sondern als bitteres,
anregendes und rituelles Stärkungsmittel tranken. Die Kombination
aus der anregenden Wirkung von Kakao und der Durchblutung fördernden
Schärfe von Chili gilt seit Jahrhunderten als natürliches
Aphrodisiakum.
Rezept für den Liebestrank (2 Personen)
Das
Getränk lässt sich in etwa 20
Minuten
einfach zu Hause zubereiten:
100
g Bitterschokolade
(mindestens 70 % Kakaoanteil)
½
Liter Milch
(oder eine pflanzliche Alternative)
1
Prise Cayennepfeffer
(je nach gewünschter Schärfe)
1
Vanilleschote
(das ausgekratzte Mark)
2
EL Honig
oder Rohrzucker zum Süßen
Optional:
Ein Schuss dunkler Rum aus Guatemala für zusätzliche Wärme.
Zubereitung:
Die Milch zusammen mit dem Vanillemark und dem Cayennepfeffer langsam
erwärmen. Die Bitterschokolade in kleine Stücke brechen und in der
heißen (nicht kochenden) Milch unter ständigem Rühren schmelzen
lassen. Zum Schluss mit Honig süßen und heiß servieren.
Textquelle:
Internet