Dienstag, 27. Oktober 2026

Montag, 26. Oktober 2026

Inspirieren lassen ~ Spieluhr NOCTURNE

Paris. Voila! Paris! Ich fuhr nicht einmal eine Stunde und schon war ich in Paris. Zu einem Konzert! Ein Konzert eines jungen Pianisten, von dem derzeit die ganze Welt spricht. Ich war mĂ€chtig nervös, war den ganzen Tag, schon die Tage zuvor, zu keinem vernĂŒnftigen GesprĂ€ch zu gebrauchen. Hat man mir das angemerkt? Ob es wohl noch Tickets gibt? Ich recherchiere im Internet. Ich rufe an. Ja, es sind noch reichlich PlĂ€tze. Und es können wirklich einfach so zwei Personen kommen? Ja, alles im grĂŒnen Bereich. Ich prĂŒfe den Ölstand und den Reifendruck bei meinem Auto – jetzt darf nichts dazwischen kommen. Ok, wir sind viel zu frĂŒh. Hatte ich ja auch irgendwie so geplant. Mit den Eintrittskarten in der Tasche suchen wir uns ein kleines CafĂ©. Spinatquiche. Klingt köstlich. Schmeckt köstlich. Dann gern noch einen Espresso. Schon ist es Zeit, den Saal zu betreten, die PlĂ€tze einzunehmen... Paris. Voila! Paris! Auftritt Musca domestica! Sie ist sehr entspannt und etwas aufdringlich. Setzt sich dreist auf das Revers des gefeierten Komponisten und Pianisten! Der eilt in der nĂ€chsten Szene etwas ĂŒberfordert und sichtlich um Höflichkeit gegenĂŒber des wartenden, drĂ€ngenden Publikums bemĂŒht, zu einem der FlĂŒgel, die zu einer Art Pianistenchallenge aufgebaut wurden. Es spielt Liszt – Franz Liszt. Beifall. Es spielt Chopin - FrĂ©dĂ©ric Chopin! Ach, ich kenne die Geschichte ja und doch hoffe ich, dass es gut ausgeht, dass der Aufenthalt mit Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil alias der Schriftstellerin George Sand auf Mallorca wirklich körperliche und seelische Besserung bringt, dass irgendjemand ein Heilmittel gegen Tuberkulose findet und dass der Musiker Ă€lter wird als 39 Jahre. Und sie lebten glĂŒcklich und zufrieden... Ach, ich weiß ja, dass auch die Verfilmung eines Lebens nicht das Leben selbst Ă€ndern, verlĂ€ngern, verbessern kann. Ich kenne die Geschichte. Robert Koch entdeckte 1882 den Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis – da war Chopin schon 33 Jahre tot. Erst 1943, fast auf den Tag genau 94 Jahre nach Chopins Tod wurde das erste wirksame Heilmittel gegen Tuberkulose (Streptomycin) isoliert. (Selman A. Waksman/ Albert Schatz) UnzĂ€hlige KĂŒnstlerInnen litten und starben an der Krankheit – so der englische Dichter John Keats, der am 31. Oktober vor 231 Jahren geboren wurde und im Alter von 26 Jahren in Rom starb. Warum Rom? Weil Kollegen von ihm Geld fĂŒr diese Reise sammelten, damit er im milderen italienischen Klima Linderung erfahren sollte. Er kam nie nach England zurĂŒck, auch seine Beisetzung fand in Rom statt. Auf seinem Grabstein ist eine Lyra abgebildet. Kein Name. Nur: „Young English Poet“. FrĂ©dĂ©ric Chopin ist in Paris beigesetzt. Sein Herz ruht in seinem Heimatland – in der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau.

Yana Arlt


Ich gestehe, ich habe „Ein Winter auf Mallorca“ nie zu Ende gelesen … könnte ich mal wieder in die Hand nehmen das Buch, jetzt, da es so frĂŒh dunkelt ~

Und du? Kennst du die Kompositionen von Chopin? Hast du ein LieblingsstĂŒck?
Hier geht es zu den NachtstĂŒcken, den Nocturnes.
Übrigens: Eryk Kulm, der Darsteller des FrĂ©dĂ©ric Chopin spielt selbst! mehr erfahren: rondomagazin


George Sand

„Als Kranker war der arme große KĂŒnstler unausstehlich. Was ich befĂŒrchtet, leider aber nicht grĂŒndlich durchdacht hatte, traf ein. Er verzagte vollkommen. Obwohl er sein Leiden recht mutig ertrug, konnte er seiner erregten Phantasie nicht Herr werden. Das Kloster war ein Ort der Schrecken und der Geister fĂŒr ihn…“

aus „Ein Winter auf Mallorca“




KĂŒnstler der Lausitz ~ Ausstellung an 3 Orten in Senftenberg

K1 - Kulturraum Markt 1 (ehem. SternenbÀckfiliale)

Stadtbibliothek Senftenberg

Rathaus Senftenberg 


K1-Kulturraum Markt 1


K1-Kulturraum Markt 1
 
K1-Kulturraum Markt 1

 

K1-Kulturraum Markt 1

K1-Kulturraum Markt 1

 


 

Renate Hensel in der Stadtbibliothek Senftenberg

 mehr erfahren ĂŒber die Ausstellung

 

Stadtbibliothek



Renate Hensel
beim Lausitzer Lyrikfestival
in der Gartenstadt Marga



Rathausfoyer



Samstag, 24. Oktober 2026

Gruß zum Wochenende 43kw26

 

  

Folge deinem Herzen
haben sie gesagt.

Jetzt steh ich in der
Brauerei.


Textquelle: Pinterest

 

Freitag, 23. Oktober 2026

Lyrikempfehlung

Donnerstag 10:50 Uhr "Das Gedicht" auf mdr kultur Radio

Sascha Kokot "im Badezimmer meiner Mutter"
aus dem Band "Geisternetze" 

Am 15. beim Autor bestellt ... war schon am 17. Oktober in unserem Briefkasten 😃

 


UnterstĂŒtzt LyrikerInnen der Gegenwart!

Kauft ihre BĂŒcher!

Besucht ihre Lesungen!

Schreibt ihnen ein paar Zeilen!

 

Dienstag, 20. Oktober 2026

Lyrik-Lese-Tipp & Wunschvorlesen am 20. November ☆ Jetzt melden

Camilo Pessanha


A Abel Anibal de Azevedo


PASSOU O OUNTONO JÁ, JÁ TORNA O FRIO . . .
- Outono de seu riso magoado.
Álgidọ Inverno! OblĂ­quo o sol, gelado . . .
- O sol, e as ĂĄguas lĂ­mpidas do rio.

Águas claras de rio! Águas de rio,
Fugindo sob o meu olhar cansado,
Para onde me levais meu vĂŁo cuidado?
Aonde vais, meu coração vazio?

Ficai, cabelos dela, flutuando,
E, debaixo das ĂĄguas fugidias,
Os seus olhos abertos cismando . . .

Onde ideas a correr, melancolias?
- E, refractadas, longamente ondeando,
As suas mĂŁos translĂșcidas e frias . . .


 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

DER OKTOBER ZOG SCHON HIN, SCHON WIRD ES KALT . . .
- Herbst mit seinem schmerzlichen Lachen,
Klirrender Winter! Die Sonne, eisig, steht tief . . .
- die Sonne, und helles Flusswasser wallt.

Klare Wasser des Flusses! Wasser immerzu,
du entfliehst unter meinem mĂŒden Blick,
wohin tragt ihr mein eitles Trachten?
Mein leeres Herz, wohin ziehst du?

Bleib doch, ihr Haar, es treibt dahin,
und unter den flĂŒchtigen Wassern
ihre offenen Augen, sinnend.

Wohin so eilig, Melancholien?
- vom Licht gebrochen, wellig rinnend,
ihre durchfluteten HĂ€nde kalt . . .



aus: „FĂŒnf Dichter aus Coimbra“
shantarÄ­n
ISBN 9789895342204
zweisprachige Ausgabe
Auswahl und EinfĂŒhrung LuĂ­s Quintais
Übersetzung Orlando Grossegesse

 


In 1 Monat, am 20. November 2026, ist "Bundesweiter Vorlesetag"!

Was liest du? 
Liest du vor - deinen Kindern, Senioren, einer Gruppe Sehschwacher und Blinder? 
Was liest du vor? 
Welchen Tipp hast du fĂŒr uns?

Und nun mal eine "verrĂŒckte Idee": Wenn du dir ein Buch wĂŒnschen könntest, dass wir dir vorlesen sollen - welches wĂ€re das?
WĂŒrdest du am Freitag, 20.11.2026, nach Brieske kommen, damit wir dir aus deinem Buch vorlesen?

nlz-ich-schreibe@gmx.de

👈 Kontaktformular 

 

Montag, 19. Oktober 2026

Inspirieren lassen ~ schwarze Beeren

 

Ich sitze auf der Bank im Hof, es ist Sonntagmorgen, die Schale Milchkaffee wĂ€rmt meine HĂ€nde ~ Ich höre den Herzschlag der Stille in meinen Ohren. Zwischen meinen nackten Zehen kitzelt ein Grashalm, den ich beim Spaziergang ĂŒber die Wiese aufgelesen habe. Ein GrĂŒnspecht. FĂŒnf Kraniche. Zwei KrĂ€hen. Kein einziger Windhauch. Oktoberduft. Ein Elsterschackern. Ich schließe die Augen – atmen. Atmen. Ich darf das Atmen nicht vergessen. Oktoberduft. Ich schaue auf den Maulbeerbaum. Er ist noch voller BlĂ€tter. Und da wallt sie noch einmal in mir auf – die Trauer. Die Trauer ĂŒber den Verlust eines Menschen. Atmen. Es gab nicht viele FrĂŒchte in diesem Jahr. Von keiner Frucht gab es „viele“ - kaum Äpfel, einige Trauben, kaum Pflaumen, wenige Kastanien, einige Kirschen... nicht viele aber köstliche. Kaum Maulbeeren. Vielleicht muss ich aber noch mehr Äste ausschneiden, die Krone noch mehr lichten. Das Besondere an Maulbeeren ist, dass sich am selben Zweig FrĂŒchte in vollkommen unterschiedlichen Reifestadien befinden. Jeden Morgen musst du mit deinen Blicken die Zweige abstreifen und die tiefdunklen FrĂŒchte pflĂŒcken. Viele landen trotzdem im Gras unter dem Baum, zwischen den StĂ€ngeln von Pfingstrose und Taglilie. Die Zeit der FrĂŒchte ist lĂ€ngst vorbei. Ich weiß nicht, wann der Sommer sich verabschiedet hatte – wann ist es Herbst geworden? Ich blĂ€ttre im Kalender zurĂŒck, blĂ€ttre durch die Notate und durch die Fotos. Irgendwo zwischen erster Kirsche und letzter RosenblĂŒte ist etwas verloren gegangen. Oder wurde es verdrĂ€ngt von etwas Hinzugekommenem? Oder hat sich etwas Bewahrtes verwandelt? Die Trauer ist mehr als Herbstmelancholie an diesem stillen, bewölkten Sonntagmorgen. Sie lĂ€sst ihre Trauer nicht auf ihr Gesicht treten. In ihren Worten höre ich so viel Bitternis und Wut. In ihrer Stimme ist die Trauer zu hören. Die Trauer kann laut sein – in einem zynischen Lachen. Wie lang ist es her, dass sie von den MaulbeerbĂ€umen in ihrem Garten erzĂ€hlte und der mit ihr am Tisch saß, witzelte ĂŒber Maulschellen. Die weißen Maulbeeren und die schwarzen und ĂŒberhaupt: der Garten! All das, was sie vorhat und was sie stets neu entdeckt. Ich weiß nicht ihren Namen,und nur winzige Satzfetzen aus ihrem Leben. Was uns verbindet, ist die Zeit im Cafe. Der gleiche Tag zur gleichen Zeit, jeder möglichst an seinem „Stammplatz“. Wenige Male haben wir uns gegrĂŒĂŸt. Vielleicht als Versicherung, dass alles wie gehabt ist. Eine ZuverlĂ€ssigkeit. Eine Verbundenheit. Habe ich sie je allein am Tisch sitzen sehen? Lange war ich nicht an diesem Tag, zu dieser Zeit, an diesem Platz... nun, nach Wochen, Monaten, Jahren(?) saß ich wieder dort, Kaffee und GebĂ€ck vor mir auf dem Tisch, dem Tisch, der nicht mein „Stammplatz“ ist. Und am Nebentisch dieser Mensch voller Wut, Erschöpfung und ĂŒberwĂ€ltigender Trauer. Ich versuche aus diesem WollknĂ€ul einen roten Faden zu spinnen, einen Faden, der sich beim Anblick des Maulbeerbaums um meinen Brustkorb schnĂŒrt. Atmen. Es ist nicht meine Trauer. Es ist nicht meine Wut. Atmen. Einen Schluck des Kaffees nehmen. Sich zu dem Spatzentschilpen gesellen und eine Runde mit den WildgĂ€nsen fliegen. Ich denke an Seidenraupen. Seidenraupen werden mit MaulbeerblĂ€ttern gefĂŒttert. Verschiedenste Raupen und Falter haben sehr spezifische Nahrungspflanzen. Eine Raupe des Maulbeerspinners frisst drei Wochen lang MaulbeerblĂ€tter, der Faden, mit dem sie sich dann verpuppt/ einspinnt ist 1.500 Meter lang. FĂŒr 1 kg Seide braucht man 5000 Raupen, die ca. 180 kg BlĂ€tter fressen (das ist das Laub von ungefĂ€hr 25 BĂ€umen), die 9 kg Kokons werden in heißes Wasser geworfen, damit die Raupen absterben, denn wĂŒrden die Falter aus dem Kokon schlĂŒpfen, wĂŒrden sie dabei den Faden zerstören, der sich dann nicht mehr in einem StĂŒck abspulen ließe. (mehr ĂŒber Seide erfahren) Seide ist ein sehr besonderer Stoff – in Geschichte, Herstellung, Verarbeitung und selbst ĂŒber den TrĂ€ger/ die TrĂ€gerin von Kleidung aus Seide gefertigt, sagt es etwas aus. Neben ganz praktischen Auswirkungen wie Hautfreundlichkeit, Geruchshemmung und kĂŒhlendem Effekt, sind es auch energetische Schutzfunktionen, Förderung des kreativen Flusses, der Seidenstoff steht fĂŒr Metamorphose, Reinheit und Eleganz. Um den spirituellen Wert von Seidenstoffen zu erhöhen, gibt es auch gewaltfreie ProduktionsablĂ€ufe – also ohne das AbbrĂŒhen der Kokons.
Ich möchte ihr ein Tuch, einen Schal aus Seide kaufen und sie ermuntern, Rat bei den MaulbeerbĂ€umen einzuholen. Diese ganz spezielle Blattform der Maulbeere... halten Sie sich an diese Einzigartigkeit, lassen Sie die BlĂ€tter los und auch die FrĂŒchte, vertrauen Sie auf das kommende FrĂŒhjahr, vertrauen Sie den Schmerz, die Wut, die Trauer dem Maulbeerbaum an. Aber ich kenne sie ja nicht. Ich habe kein Recht mich derart in ihr Leben zu drĂ€ngen.

Yana Arlt


Maulbeeren schwarz weiß
hinter dem Haus im Garten
Im Haus ist es still


Yana Arlt
Notate 2026

 


 

 

Lyrik zum Montag ~ Johann Seidl

 




 

Johann Seidl

KrÀhenherz


Der Sommer steht verlassen
In HĂ€nden ein Blumenstrauß vom Bahnhofskiosk
Der Zug der Vögel ist abgefahren
den hat er verpast

Der Herbst meint es lieb
und schenkt ihm sein schwarzes KrÀhenherz
Der Herbst ist der Freund vom weißen Winter
und weiß es nicht besser

Der Sommer steht verlassen da und weint
Er hat den FrĂŒhling vergessen




Veröffentlichung mit Genehmigung des Autors

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Johann Seidl las beim Lausitzer Lyrikfestival 2026 seinen Text "Der Elf und die fantastische Welt der N" - mit passendem Hemd.