W O L F G A N G W A C H
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Wenn Marga lacht – Eine fröhliche Erzählung vom Tag der
Baukultur in der Gartenstadt
Es gibt Tage, an denen
ein Ort nicht nur Kulisse ist, sondern selbst zur Hauptfigur wird.
Der Tag der Baukultur in Brieske war genau so ein
Tag. Ein Tag, an dem die Gartenstadt Marga, dieses
architektonische Kleinod der Arbeiterkolonie Grube Marga, nicht nur
ihre Türen öffnete, sondern ihre ganze Seele zeigte – und dabei
fröhlich, charmant und ein bisschen schelmisch wirkte.
Denn Marga
ist nicht irgendein Ort. Sie ist ein Gesamtkunstwerk der
frühen Moderne, gebaut für Bergarbeiter, die nicht nur
wohnen, sondern gut wohnen sollten. Ein Ort, der
zeigt, wie sozialer Gedanke, Architektur und Lebensqualität
zusammenfinden können. Rote Dächer, geschwungene Straßen, Plätze,
die zum Verweilen einladen – eine Siedlung, die bis heute erzählt,
wie man Wohnen menschlich denkt.
Und an diesem Tag erzählte sie
besonders laut.
Ein Vormittag voller Vorfreude –
und ein Helferteam wie ein Ameisenstaat
Schon am
Morgen wuselte das Aufbauteam über den Platz, als hätte jemand
einen Startschuss gegeben. Zelte wurden aufgestellt, Blumen drapiert,
Kabel entwirrt – und mindestens dreimal wieder verwirrt. Doch
irgendwann stand alles. Oder zumindest genug, um zu behaupten, es sei
Absicht.
Und dann lag dieses Knistern in der Luft, das sagt: Heute
wird ein guter Tag.
Ein Rundgang mit Minister – und
Häuser, die Haltung annahmen
Ich, Wolfgang
Wache, durfte Minister Crumbach durch die
Gartenstadt führen. Ein Rundgang, der irgendwo zwischen politischer
Bedeutung und heiterer Dorfkomödie pendelte.
Mit
dabei:
Bürgermeister Pfeiffer, der stets aussah,
als wisse er genau, wo es langgeht,
Kammerpräsident
Krebs, der mit professionellem Nicken jede Fassade adeln
konnte.
Und ich bin mir sicher: Die Häuser standen ein kleines
bisschen gerader, als der Minister vorbeikam.
Das Labyrinth – ein
Kunstprojekt als Startschuss für etwas Großes
Vor
der Kirche lag ein großes Labyrinth aus Planen, das
auf den ersten Blick aussah wie ein Spielplatz für philosophisch
veranlagte Maulwürfe. Doch in Wahrheit war es viel mehr: Der
symbolische Auftakt für ein internationales Kunstprojekt,
das künftig Künstlerinnen und Künstler aus nah und fern nach Marga
holen soll.
Ein Projekt, das die Baukultur dieses briesker
Kleinods der Architektur hervorheben wird – mit
Installationen, Performances, Workshops und künstlerischen
Interventionen, die die Gartenstadt neu erfahrbar machen.
Wir
wünschen uns sehr, dass die Ingenieurkammer uns auf
diesem Weg unterstützt – denn Baukultur lebt davon, dass Menschen
aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam denken, gestalten und
träumen.
Das Labyrinth war also nicht nur ein Kunstwerk. Es war
ein Versprechen.
Kunst, Kuchen, Kinder – und
eine Bratwurst, die Legenden schreibt
Auf dem Marktplatz
entstand jene Art von fröhlichem Durcheinander, die nur Orte
hervorbringen, in denen jeder jeden kennt – und trotzdem alle
überrascht sind, sich zu treffen.
Die Seniorengruppe
servierte Kuchen, der so gut war, dass man kurz überlegte, ob man
nicht doch noch ein drittes Stück „für später“ braucht. Die
ABI-Gruppe des Gymnasiums grillte Bratwürste, die
so meisterhaft waren, dass man ihnen eigentlich ein eigenes Wappen
verleihen müsste. Und dieselben Jugendlichen verwandelten Kinder in
Tiger, Feen, Superhelden – und gelegentlich in etwas, das
vermutlich ein Drache sein sollte.
Vor der Schule entstand eine
Kunstmeile, die aussah, als hätte jemand die
Kreativität der Lausitz einmal kräftig ausgeschüttelt. Farben,
Stimmen, Lachen – ein lebendiges Atelier unter freiem
Himmel.
LausitzLiebe – Pflanzen, die singen (und
besser im Takt bleiben als manche Menschen)
Ein
poetischer Höhepunkt kam von LausitzLiebe. Jana
Wieduwilt brachte einen Pavillon mit, in dem Pflanzen tatsächlich
sangen.
Über Kopfhörer hörte man, wie die
Natur summt, schwingt, antwortet – und einige Besucher behaupteten
später, die Pflanzen hätten eindeutig Rhythmusgefühl.
Dazu gab
es die LausitzBowle, so grün, dass man kurz
überlegte, ob sie ebenfalls mitsingt.
Fotos von Fenja
Das Puppentheater „Bau-Kuh-Uhr“
– 20 Minuten Chaos, Charme und Erkenntnis
Um 15
Uhr war es soweit: Das Puppenspiel „Bau-Kuh-Uhr“
begann – und wurde zum heimlichen Star des Tages.
Unsere drei
Bücherregalbewohner
Leseratte Raz,
Bücherwurm
Vermiculus,
Eule Sophia,
stürzten
sich mit einer Mischung aus Enthusiasmus und völliger Verwirrung in
die Frage, was Baukultur eigentlich ist.
Und wie das so ist, wenn
man drei sehr unterschiedliche Charaktere auf eine Bühne stellt,
passierte Folgendes:
Es gab Missverständnisse.
Es gab noch
mehr Missverständnisse.
Und es gab den festen Willen, alles zu
klären – was natürlich in noch mehr Chaos endete.
Ob wir in 20
Minuten wirklich alles erklären konnten? Wahrscheinlich nicht. Ob
hinterher mehr Klarheit herrschte? Vermutlich auch nicht. Aber eines
ist sicher: Es war herrlich. So herrlich, dass
selbst Erwachsene plötzlich wieder fünf Jahre alt wurden und mit
offenem Mund dasaßen.
Die Kirche als Klangraum –
ein Abend, der schwebte
Um 17 Uhr
verwandelte sich die Martin-Luther-Kirche in einen musikalischen
Klangraum. Töne schwebten durch das Kirchenschiff, mischten
sich mit Licht und Gesprächen – ein Moment, der so schön war,
dass er unbedingt zum Tag des offenen Denkmals wiederholt
werden soll.
Harlekids, Erinnerungskultur
und zwei Menschen, die nicht stillstehen können
Die
Harlekids zeigten dem Minister Ausschnitte ihrer
zirkuspädagogischen Arbeit – ein bunter Wirbel, der selbst ernste
Gesichter zum Lächeln brachte.
Und dann waren da Jana
Arlt und ich – vier Stunden lang mitten unter den Gästen.
Erzählend, spielend, lesend, lachend. Wir öffneten ein Stück
unserer eigenen Welt und sprachen über das, was uns antreibt:
Erinnerungskultur, Baukultur, die Seele von Marga.
Ein
Tag, der bleibt
Der 30. Mai war Teil des Tages
der Baukultur Brandenburg 2026, eingebettet in eine Route,
die den Wandel der Lausitz zeigt. Doch Marga setzte den poetischen
Schlusspunkt – warm, fröhlich, humorvoll.
Ein Tag, der nicht
nur stattfand, sondern passierte. Ein Tag, der
zeigte, dass Baukultur nicht nur Mauern meint, sondern Menschen. Und
dass Feste am schönsten sind, wenn sie ein bisschen aus dem Ruder
laufen.
Fotos von Justyna
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