Auch wenn es mir schwer fällt, ich werde nicht über die wunderbare Malerin Paula Modersohn Becker schreiben, zu deren 150. Geburtstag gerade die Kunstwelt in Entzücken über ihre revolutionäre Art Bilder zu malen, gerät. Ich werde auch nicht über die Dichterin Eva Strittmatter schreiben, die ebenfalls an einem 8. Februar geboren wurde, und besonders den lesenden Frauen der DDR ein bekannter Name ist.
Ich werde über einen Künstler
schreiben, der heute vor 78 Jahren starb. Ein Mann, der für seine
besondere körperliche Erscheinung bekannt ist und für seine
legendären Bühnennummern – u.a. mit Liesl Karlstadt. Ein echtes
Münchner Original soll er gewesen sein und ein seltsamer Kautz. Mit
20 Jahren begann er, erste Sketche auf der Bühne zu inszenieren,
bald entdeckt er das Medium Film für sich und dreht über 40 kurze
Filme, viele basieren auf den Bühnensketchen.
Ich lernte die
Komik von Karl Valentin in der „Kunstschule Birkchen“ kennen.
Wolfgang Wache, ein großer Fan der Kunstform der Clownerie hatte
ganze Schuber voller CDs, die er zuweilen während der Schreibcamps
einlegte. Stellt euch vor, den ganzen Tag habt ihr mit unglaublichen
jungen Schreibtalenten tolle Texte geschrieben, die Region auf
Ausflügen entdeckt, gemeinsam gegessen und gelesen und dann kommt
der Abend, die letzte Geschichte, ein Ergebnis der heutigen
Schreibzeit ist in der Vorleserunde nach dem Abendbrot vorgestellt
worden, nun möchte so mancher von den Kindern und Jugendlichen noch
schreiben – denn hier im Schreibcamp wird man nicht dafür
gehänselt oder belächelt. Oder man quatscht über Bücher, über
Geschichtenideen, über die Mädels, die „doof sind“ oder den
Jungen, den man „süß findet“, über die Schwierigkeiten in
Mathe oder Englisch und dass man das nächste Schuljahr auf einer
neuen Schule beginnt, wo man niemanden kennt, über den nervigen
kleinen Bruder oder die große Schwester, die sich schminkt. Das
alles fließt in die Geschichten ein, auch wenn es
Fantasy-Geschichten sind oder Gedichte, bei denen sich auf „Schmerz“
das Wort „Herz“ wunderbar reimt. Die Schreibcamps im „Birkchen“
bieten eine besondere Atmosphäre und sind auch ein Schutzraum für
die jungen Talente. Genau an so einem Abend, wenn alle in den Zimmern
sind und die Nachtwache ihren Dienst angetreten hat, ziehen wir uns
in die Küche im Keller neben dem Keramikraum zurück, Wolfgang
beginnt Champignonköpfe zu panieren und in Butter zu braten – eine
echte Geduldsarbeit– aber wir haben ja Zeit. Vielleicht
unterscheiden sich unsere Gespräche gar nicht so sehr von denen im
ersten und zweiten Obergeschoss und eigentlich sind es die Themen,
die auch frühere Generationen umtrieb... Zwei Themen sind in der
Kulturarbeit und in den Einrichtungen der Kulturellen Bildung immer
präsent: 1. wir haben zu wenig Geld 2. die Bürokratie kostet uns zu
viel Zeit und Energie! Da hieb der „Buchbinder Wanninger“ von
Karl Valentin genau in die richtige Kerbe. Ich konnte mich damals
nicht einkriegen vor Lachen: Ja, genau so ist es! Karl Valentin ist
keine leichte Kost und kein gefälliger Humor. Als Künstler stand er
während seiner gesamten Bühnenlaufbahn immer vor der
Herausforderung, seinen hohen Anspruch zusammenzubringen mit dem, was
Behörden zuließen und dem, was das Publikum hören und sehen
wollte. Man könnte sagen: Es hat geendet, wie es enden musste.
Valentin Ludwig Fey alias Karl Valentin verarmte, er ist
unterernährt, erkrankt an einer Erkältung, die seinem Körper den
Rest gibt. Am 9. Februar 1948 stirbt er 65 Jährige in Planegg.
Ob
nun tatsächlich von ihm oder nur ihm zugeschrieben, die Worte „Kunst
ist schön, macht aber viel Arbeit“, begleitet uns in unserer
künstlerischen und kulturpädagogischen Arbeit seit vielen Jahren.
Zur ersten FESTWOCHE „Ich schreibe!“, die man als Vorläufer des
Lausitzer Lyrikfestivals bezeichnen kann, schrieben wir den Satz auf
ein großes Transparent und hingen es an die Fassade des Birkchens,
später hing es viele Jahre in den Räumen des „Ich schreibe!“
e.V.
Wie viel Arbeit auch vergängliche Kunst machen kann, ist in dieser TWIST-Sendung zu sehen.
Stundenlang arbeiten KünstlerInnen an den Mandala-Mustern im Schnee, an den LandArt-Bildern aus Steinen am Strand, an den Eisskulpturen... und dann ist alles verschwunden.
In den vergangenen Tagen habe ich die „Himmelsscheibe von Nebra“ auf einer Schneefläche hier in der Gartenstadt Marga nachgestaltet. Was auf der originalen Bronzescheibe eine grüne Patina (Malachit ~ Kupfercarbonat) ist, habe ich mit Fichtennadeln von unserem Adventgesteck nachempfunden. Dieses Bild ist in meiner „Mittagspause“ entstanden und ich benötigte dafür etwa 1 ½ Stunden.
Wer mehr über LandArt und speziell über meine Bilder erfahren möchte, der ist herzlich zum Künstlergespräch am 10. Februar um 14 Uhr in meiner Ausstellung „Ein jegliches hat seine Zeit“ eingeladen.
Yana Arlt
Karl Valentin
Ich bin kein direkter Rüpel aber die Brennnessel unter den Liebesblumen.
https://www.arte.tv/de/videos/128832-001-A/twist/



b.jpg)
k.jpg)

.jpg)



bk.jpg)

bk.jpg)

