Ich mochte seine
gesellschaftskritischen Texte. Ich mochte seine ernsten Texte. Ich
mochte die Texte von ihm, in denen der verletzliche und verletzte
Mensch zutage kam. Niemand kommt ohne Schrammen und Beulen durchs
Leben. Er hat es gemocht, die Menschen zum Lachen zu bringen, Dinge
humorvoll zu betrachten und auch mit schwarzem Witz
auseinanderzulegen. Wie man eine Maschine auseinander nimmt, die
nicht funktioniert oder Geräusche macht, die nicht dazu gehören.
Was ist da los? Also dreht man an den Schrauben, die das Ganze
zusammenhalten. Fein säuberlich legt man jedes Einzelteil vor sich
auf den Tisch und denkt dann: Aha! Mehr passiert nicht. Da liegen die
Teile. Jetzt kannst du sie reinigen, ölen, polieren und ~ wieder
zusammensetzen. Anschalten. Und? Läuft's? Läuft nicht? Dann frag
mal Volker, der hat das alles auseinandergefriemelt.
Es sollte ein
angenehmer Herbstnachmittag im Cafe Auszeit werden, bei Kaffee &
Kuchen und einem literarischen Buffet. Empfangen wurden wir von
Konstanze, die auch als Moderatorin und mit eigenen Songs durch den
Nachmittag führte, mit der Nachricht, dass Volker Sprengel
verstorben ist. Ich habe nicht gefragt. Dachte nur ganz still bei
mir: Auf die Begegnung mit ihm hatte ich mich gefreut und war
gespannt auf seine neuen Texte. Volker war einer der wenigen
AutorInnen aus Hoyerswerda, der auch zu unserem Lausitzer
Lyrikfestival nach Senftenberg kam, der sich mit Beiträgen an
unseren Ausschreibungen beteiligte. Irgendwie hatte Volker immer ein
verschmitztes Grinsen auf den Lippen und irgendwie hatte ich oft den
Eindruck, dass es auch eine Maske war. Seine „lustigen“
Äußerungen über seine Statur habe ich immer als Botschaft eines
Verunsicherten verstanden. Es war die feinfühlige Art, wie er seine
Umwelt detailliert wahrnahm und analysierte, die mich beeindruckte.
Ja, das habe ich ihm auch gesagt. Wie er sich selbst karrikierte,
machte mich traurig. Definiert sich ein Mensch über seine
Kleidergröße? Vielmehr wird er definiert – Körpergröße,
Gewicht, Haarlänge, Augenfarbe, Wangenknochen, Brust-, Taillen-
Hüftumfang, Schuhgröße, Schrittlänge … vielleicht sagt das
etwas über einen Menschen aus. Vielleicht auch viel weniger als
gemeinhin vermutet wird. Vielleicht auch gar nichts. Ich bin froh,
dass ich Volker als Schreibenden begegnet bin. Ich bin froh, dass
auch einer seiner Texte im Lyrikzin 8 „Dichter schreiben fiktive
Liebesbriefe“ veröffentlicht ist. Seine literarische Handschrift
wird fehlen bei den Lesungen der Autorengruppe Pegasus - und ich
meine nicht nur seine satirischen Texte.
Yana Arlt
Volker Sprengel alias Timotheus Nepomuk
(Antwort auf ein Partnergesuch als fiktiver Liebesbrief)
Liebe Shakuntula-Shakira,
kürzlich entdeckte ich dein Partnergesuch im Netz.
Dabei war auch ein Foto von dir.
Und ich muss zugeben, ich war sofort verliebt.
Wie schön du doch bist! Das muss die Liebe auf den ersten Blick sein.
Und deine Ähnlichkeit mit Lena Gerke. Wobei, nein ..Lena Gerke müsste man noch stundenlang photoshoppen damit sie so schön ausschaut wie du.
Du schreibst, du bist 18 Jahre alt und nach mehreren großen Enttäuschungen suchst du nun einen Partner, der dich wirklich liebt und versteht. So einen mit dem man Pferde stehlen kann.
Du ernährst dich vegetarisch.
Du magst Pferde, interessierst dich aber auch für Sportwagen und Partys.
Ich bin bass erstaunt wie gut ich dich schon nach diesen wenigen Zeilen verstehe.
Nun zu mir. Ich bin schon etwas älter. Ich hoffe das schreckt dich nicht ab.
Ehrlichkeit sollte in jeder guten Beziehung von Anfang an dazugehören.
Älter
muss aber kein Nachteil sein.
[…]
Auszug aus einem
fiktiven Liebesbrief „Lyrikzin 8 ~ Dichter schreiben fiktive
Liebesbriefe und Gedichte über die Liebe“
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