Montag, 22. Juni 2026

Inspirieren lassen ~ Reflexion

Wolfgang Wache


Es ist ein merkwürdiges Gesetz der Welt: Sobald ein Mensch beginnt, Spuren zu hinterlassen, beginnen andere, ihre Zehen zu spüren. Nicht, weil man ihnen wehtun will. Nicht, weil man größer auftreten möchte. Sondern weil Bewegung immer sichtbar macht, wer stehen geblieben ist.

Ich habe das oft erlebt – in der Kunst, in der Kulturarbeit, in den kleinen und großen Projekten, die Yana und ich durch die Lausitz tragen. Wir gehen unseren Weg, Schritt für Schritt, mit offenen Händen. Wir nehmen niemandem etwas weg. Wir bauen nur etwas auf.

Und doch entsteht um uns herum manchmal dieses leise Rascheln: ein Gemisch aus Respekt, Unsicherheit, Neid, Bewunderung und Abwehr. Ein Flüstern hinter der Hand, das mehr über die Flüsternden erzählt als über uns.

Vielleicht ist es so: Wer sich bewegt, erinnert andere daran, dass auch sie sich bewegen könnten. Und nicht jeder ist bereit dafür. Manche schützen ihr eigenes Zögern, indem sie denjenigen misstrauen, die weitergehen.

Aber ich habe gelernt, das nicht persönlich zu nehmen. Reputation ist kein Schild und kein Schwert. Sie ist nur die Spur, die entsteht, wenn man lange genug tut, was man für richtig hält.

Und wenn dabei jemand aufschreckt, dann nicht, weil wir zu laut sind, sondern weil sein eigener Stillstand plötzlich hörbar wird.

Also gehen wir weiter. Nicht trotzig, nicht überheblich, sondern mit dem stillen Wissen: Wer Spuren hinterlässt, zeigt anderen, dass Wege möglich sind. Und das ist am Ende mehr Geschenk als Provokation.

 

Videogespräch mit Wolfgang Wache
Schreibwerkstatt in Pomßen
20. Juni 2026


 

 

 

Mehr Informationen über die Schreibwerkstatt in Pomßen/ in der Wehrkirche Pomßen unter Leitung von Bettine Reichelt gibt es demnächst auf unserem NLZ-Blog.