Wolfgang Wache
Es ist ein merkwürdiges Gesetz der Welt:
Sobald ein Mensch beginnt, Spuren zu hinterlassen, beginnen andere,
ihre Zehen zu spüren. Nicht, weil man ihnen wehtun will. Nicht, weil
man größer auftreten möchte. Sondern weil Bewegung immer sichtbar
macht, wer stehen geblieben ist.
Ich habe das oft erlebt –
in der Kunst, in der Kulturarbeit, in den kleinen und großen
Projekten, die Yana und ich durch die Lausitz tragen. Wir gehen
unseren Weg, Schritt für Schritt, mit offenen Händen. Wir nehmen
niemandem etwas weg. Wir bauen nur etwas auf.
Und doch
entsteht um uns herum manchmal dieses leise Rascheln: ein Gemisch aus
Respekt, Unsicherheit, Neid, Bewunderung und Abwehr. Ein Flüstern
hinter der Hand, das mehr über die Flüsternden erzählt als über
uns.
Vielleicht ist es so: Wer sich bewegt, erinnert andere
daran, dass auch sie sich bewegen könnten. Und nicht jeder ist
bereit dafür. Manche schützen ihr eigenes Zögern, indem sie
denjenigen misstrauen, die weitergehen.
Aber ich habe gelernt,
das nicht persönlich zu nehmen. Reputation ist kein Schild und kein
Schwert. Sie ist nur die Spur, die entsteht, wenn man lange genug
tut, was man für richtig hält.
Und wenn dabei jemand
aufschreckt, dann nicht, weil wir zu laut sind, sondern weil sein
eigener Stillstand plötzlich hörbar wird.
Also gehen wir
weiter. Nicht trotzig, nicht überheblich, sondern mit dem stillen
Wissen: Wer Spuren hinterlässt, zeigt anderen, dass Wege möglich
sind. Und das ist am Ende mehr Geschenk als Provokation.
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Videogespräch mit Wolfgang Wache
Schreibwerkstatt in Pomßen
20. Juni 2026
Mehr Informationen über die Schreibwerkstatt in Pomßen/ in der Wehrkirche Pomßen unter Leitung von Bettine Reichelt gibt es demnächst auf unserem NLZ-Blog.