Montag, 15. Juni 2026

Inspirieren lassen ~ NI-Text zu KI-Bild

 

Es gibt ja einige Internetseiten, die sich dem Coaching von Schreibenden widmen. Ich muss zugeben, dass ich da überhaupt keinen Überblick habe und weder Empfehlungen noch Warnungen aussprechen kann. Beim täglichen Ritt über die Instagramfelder, durch Facebookwälder und über X-Wiesen, die ich nicht privat wohl aber zur Informationsverteilung zu unserem Verein nutze, blieb mein Blick an einem Bild hängen, zu dem es einen Textaufruf gab. Ok, Genre und Darreichungsform kann ich selbst wählen, das ist gut. Alle die mitlesen, sollen auch gern die Texte kommentieren? O-oh, das ist vielleicht hilfreich gemeint aber das kann ganz schön in die Hose gehen. Die Angabe „Gedicht (Lyrik & Prosa)“ finde ich etwas verwirrend. Allerdings habe ich erst letztens wieder in einem Gespräch gehört: „Wenn ich hauptsächlich Prosa schreibe, dann kann ich leider gar nicht zu eurem Lausitzer Lyrikfestival kommen. Warum findet ihr keine andere Bezeichnung?“ Naja, Henriette, unser Herz gehört der Lyrik und auch der poetischen Kurzprosa, zu der Zeit, als wir das Lausitzer Lyrikfestival ins Leben riefen, gab es viele Literaturfestivals und selbst bei den Branchentreffs rund ums Buch – wie z.B. den Buchmessen und in den Literaturhäusern – ging es überwiegend um Romane. Als Jan Wagner als Lyriker(!) 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, war das eine Sensation! Bob Dylan erhielt für seine eigenwillige (Lied)Poesie 2016 sogar den Literaturnobelpreis und löste heiß geführte Debatten aus! Es wird behauptet, dass die Lyrik gerade bei jungen Menschen wieder auf mehr Resonanz stößt... Nun also der Begriff Lausitzer LYRIKfestival – eine Namensänderung ist derzeit nicht in Sicht. Hoch lebe die Poesie! Ein Hiphip Hurra auf die Lyrik! Henriette, schau in dein Oevre, durchblättere deine beschriebenen Seiten und gespeicherten Dateien, ich wette, es findet sich ein poetisches Fragment einer Novelle oder ein zauberhaftes kleines Feuilleton, bring das im September mit nach Brieske-Marga!
Ich drucke das Bild aus, trage es in meinem Notatebuch herum, schaue ab und zu darauf – auch in den stillen Abendstunden und hoffe, dass ich ein Flüstern höre, ein Flüstern der dargestellten Figuren, was habt ihr mir zu erzählen? Erst als ich den Text geschrieben habe, schaue ich in die Kommentare und lese als Erstes, dass es scheinbar ein riesiger Faux pas ist, ein KI-generiertes Bild zur Inspiration einzustellen. Da ist sie wieder, die Debatte um KI in der Kunst... doch dann tauchen die ersten Texte auf. Schau an, Waldemar, Ilona, Carmen, Christian und andere lassen sich inspirieren, zu vielseitigen Texten. Ich bin mutig, setze meinen Text hinein, zögere mit dem Posten... zögere... tu ich mir was Gutes damit oder schade ich mir?... zögere... und veröffentliche den Text. Auf literaturwissnschaftliche Analysen und Genörgel von Frustlesern kann ich wirklich verzichten. Post vor 3 Tagen... bisher keine Reaktion zu verzeichnen... das ist gut... das ist sehr gut!

Yana Arlt


Waldemar Steinhauer

Und da war er wieder, dieser Moment. Jener, in dem sie sich in der kühlen Tanzhalle wiederfand und den toten Blicken Vergangener ausgesetzt war. Unwissend, weshalb sie nun hier war und das Jahr für Jahr, nun Monat für Monat. Der Windzug brachte ihr die Erinnerung zurück, während ihr Haar sich seiner Bewegung anschloss. Ebenso wie sie es jedes Mal tat, um dem Traum zu entfliehen und sich dem geforderten Tanz des Jenseits fügte. Dieses Mal würde es anders sein und sie sah keinen Grund mehr, dem nachzukommen. Nun galt ihr Wille und ihre Entscheidung. Sie blieb reglos stehen, beobachtete, spürte ihren Herzschlag. Den einzigen an diesem Ort.