Nein, ich meine nicht das Lied „Alle
Jahre wieder kommt das Christuskind“, das zur Weihnachtszeit
intoniert wird. Ich meine auch nicht das ironische „Alle Jahre
wieder“, dass man angesichts der Betriebskostenabrechnung, des
Zahnarzttermins oder der Frist für die Einkommenssteuererklärung
augenrollend quittiert. Ich meine die kleinen persönlichen
„Rituale“. Von denen man selbst vielleicht gar nicht mehr so
genau weiß, wann und wie sie begonnen haben, wann und wie sie zu
einer wiederkehrenden Handlung im Verlauf des Tages, des Monats, des
Jahres wurden. Manche sind an ein Datum gebunden, manche an einen
Zeitraum – allgemeine Daten und Zeiträume, die mit individueller
Bedeutung gekoppelt werden. Für den Rest der Welt spielt der 20.
April gar keine Rolle – außer, dass es in diesem Jahr ein f---ing
Montag ist und man wieder auf Arbeit muss, wo gerade dicke Luft
herrscht und man so überhaupt keine Lust hat. Für den Rest der Welt
ist das Blühen des Sauerkirschbaums nur eine ganz normale
Obstbaumblüte, bei der man in Gedanken vielleicht schon panisch auf
die Vorräte der Marmeladen- und Kompottgläser schaut. Für einen
Teil der Welt war der vergangenen Samstag, der 18. April 2026, der
Tag des Frühjahrsputzes in der Stadt Senftenberg, für einen anderen
Teil der Welt war es der Lampenfiebertag zum Bezirksausscheid des
Bundesweiten Vorlesewettbewerbs, für einen Teil der Welt war es ein
Baumarkttour-Autowasch-Gartenarbeits-Tag... jemand hat Geburtstag,
jemand wird beerdigt, jemand heiratet, jemand lernt jemanden kennen,
es wird eine Regenwaldfläche von rund 4.340 Fußballfeldern
abgeholzt, weit über 1.900 Menschen suizidieren sich weltweit, 748
Millionen Tonnen Gletschereis schmelzen, schätzungsweise 150
Tierarten sterben aus, „Forschende der
Universität Greifswald haben eine Methode entwickelt, um Blutplasma
herzustellen, das für alle Blutgruppen einsetzbar ist. Das vermeidet
Engpässe und verbessert vor allem die Versorgung in Notfällen. Das
Paul-Ehrlich-Institut hat die Methode bereits zugelassen.“
(Textquelle: goodnews.eu vom 17.4.2026). Noch mehr gute Neuigkeiten
gibt es HIER.
Es gibt für mich
zwei besondere Zeremonien, die während der Kirschbaumblüte
stattfinden. Eine habe ich zumindest in diesem Jahr bereits
umgesetzt. Es sind nicht nur die gesetzlichen Feiertage, die ein Jahr
strukturieren und an denen schon wieder einmal herumgemäkelt wird.
Sind Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt und andere kirchlich begründete
Feiertage noch zeitgemäß in einer zunehmend globalisierten Welt?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt! Es sind eben auch die
kleinen persönlichen Gepflogenheiten, die Orientierung geben. der
starke, schwarze Kaffee vor Sonnenaufgang unter dem blühenden
Kirschbaum ist meine Art den Frühling zu begrüßen. Und besonderes
Ohrenmerk gilt der Welt der gefiederten Mitgeschöpfe... habt ihr ihn
schon gehört? Den Kuckuck? Auch das ein Ritual seit meinen
Kindertagen: beim ersten Kuckucksruf klappert man mit dem
Portemonnaie, damit das Geld das ganze Jahr über nicht ausgeht. Ok,
ist in Zeiten des zunehmenden bargeldlosen Zahlens auch nicht mehr
zeitgemäß – aber Geldkarten, Coupos und Punktesammelkarten
aneinander zu schlagen, macht halt echt keinen Spaß. Von dem
akustischen Desaster mal ganz zu schweigen.
Yana Arlt
Falschzitate
Kuckucks-Zitate
- kennen auch Sie ein paar davon?
"Am Ende wird alles
gut und wenn es nicht gut ist, ist das nicht das Ende." Das ist
doch ein Zitat von John Lennon, oder? Falsch, weiß
Literaturwissenschaftler und Autor Gerald Krieghofer. Der Experte
klärt über Falschzitate auf.
Wie
kommen falsche Zitate zustande?
"90 Prozent entstehen durch
Gedächtnisirrtum und Wunschdenken, Versehen", erklärt Gerald
Krieghofer. Falschzitate gab es immer schon, aber durch das Internet,
die Sozialen Medien und vor allem durch die Onlinezitatsammlungen,
die Zitate ohne Quellen ins Netz stellen, wurde die Verbreitung von
Kuckucks-Zitaten beschleunigt und hat sich ein wenig
verselbstständigt.
Textquelle: br.de
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