Montag, 13. April 2026

Inspirieren lassen ~ Wendekreis des Steinbocks


Es war wie ein Spaziergang durch Raum und Zeit ~ die Führung durch die Sonderausstellung „800 Jahre Aberglaube und Magie“, die am vergangenen Sonntag zum letzten Mal im Museum Westlausitz in Kamenz geöffnet war. Erst konnte ich es gar nicht verstehen, dass mir eine Anmeldung zur Führung sehr ans Herz gelegt wurde. Ein Museum. Eine Ausstellungsführung. Ein Sonntagnachmittag. Na gut, dann melde ich uns mal an. Die Tür zum Eingangsbereich war kaum zu öffnen, so viele Menschen standen beim Einlass an. Ich war überrascht. Und erfreut und erleichtert, dass ich der Empfehlung Folge geleistet hatte. Nun stand ich also mit den ausgedruckten Buchungen in der langen Schlange und war etwas unruhig, denn in einer Viertelstunde sollte bereits die Führung beginnen... Alles war wunderbar organisiert, ich bewunderte die Ruhe und das systematische Vorgehen der jungen Frau an der Kasse. Auch die beiden Nachzügler unserer kleinen Gruppe waren bald eingetroffen, wir suchten uns ein (Steh)Plätzchen im ersten Ausstellungsraum und es ging los. Ein mumifizierter Hasenfötus, Briefe, die abgeschrieben und bei sich getragen vor Hieb-, Stich- und Schusswunden schützen, an die Pforten genagelte Eulen, ein Stück Holz einer vom Blitz getroffenen Eiche, kleine Figuren in Krötenform sogenannte Gebärmutterkröten, Hexenprozesse in Görlitz, schreiende/kreischende Alraunen, Wolle vom Hodensack des Lamaschafes, Mutterkornmühle, Alchemie und Astrolabium... ich nehme die Ausführungen von Friederike Koch-Heinrichs wie ein Schwamm auf. Einiges kenne ich bereits, weil ich mich ja ein Leben lang mit den Themen Volksglaube und Magie auseinandersetze aber einige Informationen sind mir neu und natürlich interessieren mich besonders die regionalen Ausstellungsexemplare und Geschichten. Vor der Vitrine mit dem Astrolabium schweife ich mit meinen Gedanken kurz ab. Die alten Messinstrumente faszinieren mich – Kompass, Astrolabium, Sonnenuhr... da stellt sich natürlich gar nicht die Frage, ob ich den Ausstellungskatalog mitnehme oder nicht. Vollkommen erschöpft lassen wir uns auf die Stühle des Museumscafés plumpsen. Es ist mittlerweile halb fünf Uhr Nachmittag. Noch gibt es ein Stück Kuchen, einen Kaffee, einen freundlichen Mann, der unsere Bestellung aufnimmt und bald auch die gefüllten Tassen und Teller bringt. Ich hatte recherchiert, welche Cafés es in Kamenz gibt, die am Sonntag geöffnet sind. Meine Informationen stoßen auf taube Ohren. Wenn man schonmal hier ist, schaut man sich auch die Dauerausstellung an. Zwischen den Happsen und Schlucken wird das Erlebte und Erfahrene ausgewertet. Ich muss zugeben, dass ich mir noch mehr Ausführungen über „Aberglaube und Magie“ speziell in unserer Heimatregion, in der Lausitz erhofft hatte – ich denke an die „Vorschriften“ für die 12 Raunächte, an Zauberkräuter und Heilsteine, an die Mythologie der Slawen, an Bräuche... wie das Maifeuer/ die Walburgisnacht, die fatalerweise auch als „Hexenfeuer“ oder „Hexenbrennen“ bezeichnet werden und ja in wenigen Tagen zumeist auf den Dörfern der Lausitz unter dem Maibaum lodern. Die Räume der Sonderausstellung sind nicht groß und eine Herausforderung mit zwei knapp zeitversetzten Führungen à 20 Personen. Dem Zauber, der Magie der Exponate tun sie keinen Abbruch.
Und nun frische ich mein Wissen über die Funktionsweise eines Astrolabiums auf, das übrigens auf die „Geburtsdaten“ der Stadt Kamens eingestellt ist – so erzählte es die Museumsleiterin und Archäologin Koch-Heinrichs. Übrigens: Chapeau! Was die beiden Frauen, die Dutzende Besucher durch die Ausstellung führten, an diesem Tag mit ihren Stimmen und Füßen leisteten, war „Hochleistungssport“.

Yana Arlt


Jedes Astrolabium besteht aus einem Gehäuse, der Mater, mit einer zylindrischen Vertiefung zur Aufnahme der Einlegescheibe, dem Tympanon, falls vorhanden, und der durchbrochenen Scheibe, der Rete, die im wesentlichen aus einem Ring für den Wendekreis des Steinbocks und einem Ring für die Ekliptik besteht. Beide sind durch einen Steg mit einander verbunden, der durch den Nordpol geht. Dort liegt die Achse, um die sich die Rete drehen lässt. Diese, d.h. die Ekliptik, ist in der Abbildung nach oben gedreht, nicht ganz nach Süd-Nord, etwa 6º nach rechts, wie man an der rechteckigen Öse am oberen Ende der Ekliptik gegen die Mater sehen kann.

Man beachte, dass der Wendekreis des Steinbocks innen und die Ekliptik außen am jeweiligen Metallring anliegt. Bei manchen Nachbildungen ist das falsch wiedergegeben


Textquelle: https://www.experimentis-shop.de/erklaerung-zu-astrolabium-und-armillarsphaere