Dienstag, 7. April 2026

Inspirieren lassen ~ Ostern war's / Wolfgang Wache „Gedanken zu meinem Gedicht“

 

Gedanken zu meinem Gedicht:

In meinem Gedicht „Ostern war’s“ begegne ich mir selbst im Schreiben. Ich sehe das Leben im Vergleich zur Zirkuswelt, weil sich in ihrer Romantik die ganze Einmaligkeit des Daseins spiegelt: diese Mischung aus Schönheit, Gefahr und dem flüchtigen Glanz eines Moments, der nur existiert, weil er jederzeit kippen kann. Die Manege, das Seil, die Sägespäne – all das steht für mich nicht für Zirkusromantik im äußeren Sinn, sondern für die innere Welt des Erlebens, in der Staunen und Risiko untrennbar verbunden sind. Kunst erscheint mir darin als Befreiung aus dem Immergleichen, als Versuch, im Ungleichgewicht einen eigenen Stand zu finden. Das Selbstgespräch im Text zeigt mein Ringen mit dem Sinn des Schreibens – ob ich es für mich tue oder für andere, oder ob Schreiben selbst schon ein notwendiger Akt des Daseins ist. Die durchgebogenen Leiterholme und der Angstschweiß stehen für mein Vorankommen trotz Furcht, während die Erinnerungen an die frühen bewegten Bilder meine Faszination für das Staunen und die menschliche Erfindungskraft ausdrücken. Ostern wird für mich zum Symbol innerer Wandlung, eines wiederkehrenden Aufbruchs. So lese ich mein Gedicht als ein existenzielles Selbstporträt: ein Nachdenken über das Leben als Kunststück, über das Schreiben als Balance und über das Menschsein als fortwährende Wiederkehr im glitzernden, gefährlichen, wunderbaren Zelt unserer eigenen Erlebniswelt.


Textquelle: www.wolfgang-wache.de


Aufwirbelnde Sägespäne.
Manege
Orchester spielte leise
Unter dem aufgespannten Lebenszelt
voll Neugierde

Musik des Daseins
Mensch
auf zwei Beinen
Versucht das Stehen
auf einem

unsere ersten Gehversuche
Kunststücke
Naturregeln bedroht.
Schöpfung aus dem Nichts
Hände vor die Augen

Auf dem hohen Seil
Füße
behutsam präzis aufgesetzt
Fehltritt öffnet Tiefe
der erlebbar tödlich ist


Auszug aus:
Ostern war s‘ ( am 05.04.2026 ab 5.45 Uhr geschrieben bis 11.19 Uhr von Wolfgang Wache)