Gedanken zu meinem Gedicht:
In meinem Gedicht „Ostern
war’s“ begegne ich mir selbst im Schreiben. Ich sehe das Leben im
Vergleich zur Zirkuswelt, weil sich in ihrer Romantik die ganze
Einmaligkeit des Daseins spiegelt: diese Mischung aus Schönheit,
Gefahr und dem flüchtigen Glanz eines Moments, der nur existiert,
weil er jederzeit kippen kann. Die Manege, das Seil, die Sägespäne
– all das steht für mich nicht für Zirkusromantik im äußeren
Sinn, sondern für die innere Welt des Erlebens, in der Staunen und
Risiko untrennbar verbunden sind. Kunst erscheint mir darin als
Befreiung aus dem Immergleichen, als Versuch, im Ungleichgewicht
einen eigenen Stand zu finden. Das Selbstgespräch im Text zeigt mein
Ringen mit dem Sinn des Schreibens – ob ich es für mich tue oder
für andere, oder ob Schreiben selbst schon ein notwendiger Akt des
Daseins ist. Die durchgebogenen Leiterholme und der Angstschweiß
stehen für mein Vorankommen trotz Furcht, während die Erinnerungen
an die frühen bewegten Bilder meine Faszination für das Staunen und
die menschliche Erfindungskraft ausdrücken. Ostern wird für mich
zum Symbol innerer Wandlung, eines wiederkehrenden Aufbruchs. So lese
ich mein Gedicht als ein existenzielles Selbstporträt: ein
Nachdenken über das Leben als Kunststück, über das Schreiben als
Balance und über das Menschsein als fortwährende Wiederkehr im
glitzernden, gefährlichen, wunderbaren Zelt unserer eigenen
Erlebniswelt.
Textquelle: www.wolfgang-wache.de
Aufwirbelnde
Sägespäne.
Manege
Orchester spielte leise
Unter dem
aufgespannten Lebenszelt
voll Neugierde
Musik des
Daseins
Mensch
auf zwei Beinen
Versucht das Stehen
auf
einem
unsere ersten Gehversuche
Kunststücke
Naturregeln
bedroht.
Schöpfung aus dem Nichts
Hände vor die Augen
Auf
dem hohen Seil
Füße
behutsam präzis aufgesetzt
Fehltritt
öffnet Tiefe
der erlebbar tödlich ist
Auszug aus:
Ostern war s‘ ( am 05.04.2026 ab 5.45 Uhr geschrieben bis 11.19
Uhr von Wolfgang Wache)
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