Montag, 10. August 2026

Lesung vor der Waschkaue – Rückblick auf ein außergewöhnliches Erlebnis am 8. August 2026

Inspirieren lassen ~ zwischen den Granitpflastersteinen vor dem Zechenhaus eine kleine Blume 

 

Wolfgang Wache, 9. August 2026 

 

Lesung vor der Waschkaue 
– Rückblick auf ein außergewöhnliches Erlebnis am 8. August 2026 
 
Tag der Industriekultur in Brieske – Kunstaktion GRUBENLAMPE VI
 
Foto: Fenja Girzdis

 
Die gestrige Lesung vor der Außentreppe des Zechenhauses war weit mehr als ein Programmpunkt des „Tags der Industriekultur“ – sie wurde zu einem intensiven Moment gemeinsamer Erinnerung, künstlerischer Verdichtung und lebendiger Lausitzer Kultur. Zwischen den verwitterten Stufen der historischen Waschkaue, dort, wo einst Schichtbeginn und Schichtende den Rhythmus des Lebens bestimmten, entstand ein atmosphärischer Resonanzraum, der das Publikum spürbar berührte.
Ein Ort erwacht – die Waschkaue als Bühne
Die Veranstaltung fand im Freien statt, direkt vor dem Zechenhaus, dessen Innenräume weiterhin Baustelle sind. Doch gerade dieser Umstand verlieh der Lesung eine besondere Kraft: Die Außentreppe wurde zum symbolischen Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen.
Wolfgang Wache eröffnete mit einer Zeichnung: Gehwegsteine, in deren Fuge eine gelbe Blume wächst – ein stilles Bild des Überlebens, der Erinnerung und der Rückkehr der Natur. Dieses Motiv begleitete den gesamten Nachmittag.
Ein musikalisches Erlebnis
Die musikalische Begleitung lag in den Händen von Matthias Hausdorf und Yana Arlt – und sie machte den Nachmittag zu einem echten Klangereignis.
Improvisationen zur Zeichnung, zum Rhythmus der mechanischen Schreibmaschine, zu Texten und Szenen ließen die historische Umgebung hörbar werden. Djembe, Stimme, Maschine, Stille – alles verband sich zu einem vielschichtigen Klangbild, das die Texte nicht nur begleitete, sondern erweiterte.
Die Texte – Stimmen aus der Kolonie Marga
Die Auswahl aus „Die Grubenlampe VI“ und den Bänden der Reihe „Das schwarze Gold ist verbrannt“ führte die Besucherinnen und Besucher mitten hinein in die Lebenswelten der Kolonie Marga um 1920.
 
Foto: Fenja Girzdis

 
 
Auszüge und Szenen des Programms:
Die Waschkaue (Teil 1 & 2) – Wolfgang Wache
Kumpel Student / VI Braunkohlengrube Marga – Yana Arlt
Einkehr und Ledigenheim – A. W. Staub
Die Erbauer des großen Kraftwerks – K. Böhnisch
Das Zechenhaus der Grube Marga – W. Riska
Die Kohlesammlerin – Wolfgang Wache
Lausitz – M. Nothing
Besonders eindrucksvoll war die Szene mit der großen Pappfigur der Kohlesammlerin, die Yana Arlt zum Leben erweckte – ein stilles Denkmal für jene Frauen, die mit Mut und Ausdauer den Alltag ihrer Familien sicherten.
Gelbe Blumen für die Erinnerung
Zum Abschluss wurden selbsthergestellte gelbe Papierblumen verteilt – ein feiner, poetischer Akt, der beim Publikum einen tiefen Eindruck hinterließ.
Diese Blumen erinnerten an die vielen Menschen, die über die Stufen des Zechenhauses gingen: Arbeiter, Frauen, Kinder, Suchende, Hoffende. Heute wächst dort tatsächlich eine Butterblume im Kopfsteinpflaster – ein kleines Zeichen dafür, dass Geschichte weiterlebt, wenn man sie berührt.
 
Foto: Fenja Girzdis

 
 
Fazit
Die gestrige Lesung war ein eindringliches Zusammenspiel von Text, Klang, Ort und Erinnerung.
Sie zeigte, wie Industriekultur lebendig werden kann, wenn Literatur, Musik und künstlerische Aktion sich gegenseitig tragen.
Ein Nachmittag, der die Kolonie Marga nicht nur erinnerte, sondern neu zum Leuchten brachte. 
 
Foto: Fenja Girzdis

 
 
Vielen Dank, Fenja, für das Festhalten der Sommernachmittagsstimmung am Zechenhaus und dafür, dass wir die Fotos hier veröffentlichen dürfen.
 
Weitere Fotos der "Grubenlampe VI" gibt es am Mittwoch hier auf dem NLZ-Blog.