Die ganze Stadt ist auf den Beinen –
so scheint es. Stadtfestzeit! Vielseitige Bühnenprogramme,
Sommerempfang, ein Festgelände mit allem, was ein durchschnittlicher
Bürger nur wünschen kann. Von Klängen der Vergangenheit über
Darbietungen der Jüngsten und denen, die noch auf der Suche nach
etwas sind, Kunst-Kultur-und-Weinverkostung, eine betagte Königin
gibt sich die Ehre, Vielstimmigkeit besingt die wundervolle Welt, die
Leute dreh'n sich im Kreis, das Wetterkarussell auch... Sehen und
Gesehenwerden … Lachen. Trinken. Essen. Sich berieseln lassen. Das
Haar in der Suppe suchen. Ins Gespräch kommen. Sich über Meinungen
wundern, über Lobreden und Schimpftiraden. Und Deutschland ist
längst raus aus dem Wettlauf hinter dem Ball und für die
Beliebtheit und Bewunderung. Ein Sommerwochenende. Ein
Sommerwochenende, bei dem irgendwie alles nah beieinander liegt. Auch
die Erwartungen, Enttäuschungen, der Daumen der in der Waage schwebt
und sich noch nicht entschließen kann zum Sinken oder Steigen. Es
gibt sie, die Feststimmung, hier und da, in Momenten. Es sind immer
nur Momente. Es sind die Menschen, denen man begegnet, die neben
einem stehen, sitzen, singen, tanzen... Es sind aber auch die
Menschen, die nicht mit dabei sind... das merkt man erst später, im
stillen Resumee.
Ich ziehe meinen Hut vor den Organisatoren. Sie
haben an alles gedacht. Ein professionell geplantes, organisiertes,
durchgeführtes Stadtfest – ein unglaublicher Wurf für eine so
kleine Stadt in Südbrandenburg.
Der Tag danach ist Abbau,
Vorgärten in Festgeländenähe, die nach Urin riechen, zerbröselte
Döner, die sich um Hausecken fädeln, Blumenkübel, die zu
Papierkörben mutierten... auch das gehört zu einem Stadtfest –
die Katerstimmung nach der großen Sause. Diese Atmosphäre, die wie
ein nasses Pelztier auf den Plätzen, Wegen und Straßen vor sich hin
müffelt und jault, ist das einzige, das ich in diesem Jahr vom Fest
mitbekomme. Ich bilde mir ein, etwas verpasst zu haben und weiß doch
mit absoluter Sicherheit, dass keines der Formate eine Heimat für
mich gewesen wäre. Was ist nur in den vergangenen Jahren passiert?
In Gesprächen erfahre ich, dass es nicht nur mir so geht. Wir können
es nicht genau bestimmen, was da so anders ist. Vielleicht dieses
mehr und mehr, lauter, greller, länger, größer, kombiniert mit dem
Anspruch auf Perfektion. In der Kultur steht immer wieder die Frage:
Wie kommen wir an die Menschen ran? Welche Formate ziehen Publikum?
Ich denke, dass die Organisatoren des diesjährigen Festes Vieles
richtig gemacht haben – Nörgler wird es trotz allem geben... auch
das gehört zu einem Stadtfest. Es bleibt mir nur, zu hoffen, dass es
neben diesen großen Veranstaltungen, die für Tausende oder gar
Zehntausende Besucher angelegt sind, auch dezentere, ruhigere,
tiefere Veranstaltungen gibt. Die Besucherzahl sagt nichts über die
Qualität des Musik-, Tanz- oder Leseprogramms; nichts über die
Händler und die Speisen- und Getränkeversorgung. Einerseits ist der
Hunger groß nach Unterhaltung, Spaß, Zerstreuung... andererseits
gibt es einen selten zu stillenden Durst nach Tiefe, Bedeutsamkeit,
Wahrhaftigkeit.
Ich war weder auf dem Sommerempfang der Stadt noch
zur Ausstellungseröffnung im Rathaus, obwohl unser Verein für beide
Veranstaltungen Einladungen erhielt und die sicher auch großartig
organisiert und durchgeführt worden sind. Ja, ich sehe die Einladungen als respektvolle Gesten unserer Vereinsarbeit gegenüber. Und wie
wird auf unsere Einladungen im Rathaus reagiert? Wird jemand zu
unserem „Tag der Industriekultur“ am 8. August oder zum 14.
Lausitzer Lyrikfestival vom 2. bis 6. September kommen?
Yana Arlt
George
Gordon Byron alias Lord Byron
Ein
Fest, wenn es verdampft, ist grade wie
Das letzte Glas
Champagner, ohne Gischt,
Der seinem Erstlingskelche Reiz verlieh;
Wie ein System, in das sich Zweifel mischt;
Wie eine Flasche
Sodawasser, die
So lang gesprüht hat, bis ihr Geist entwischt;
Wie eine Welle, welche sich noch hebt,
Wenn schon der Wind
schläft, der sie erst belebt.
Textquelle: www.aphorismen.de
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