Brieske-Marga, 28. August 2026
Leitgedanken für das
Lausitzer Lyrikfestival XIV
Begrüßungsworte des Vereinsvorsitzenden, Poeten, Künstlers Wolfgang Wache am 5. September 2026 in der Gartenstadt Marga
Liebe Freundinnen und Freunde der Worte, liebe Autorinnen und Autoren, liebe Menschen, die heute hier sind, weil ihnen Sprache etwas bedeutet.
Ich möchte heute etwas aussprechen, das viele von uns kennen, aber selten laut sagen.
Wir leben in einer Zeit, in der Kultur oft mit Unterhaltung verwechselt wird. In der Lautstärke mehr Aufmerksamkeit bekommt als Stille. In der kostenlose Events ganze Plätze füllen – und wir manchmal daneben stehen und uns fragen: „Hat meine Art, Kultur zu machen, überhaupt noch Platz?“
Ich sage euch heute: Ja. Sie hat Platz. Und sie hat Wert. Und sie hat Zukunft.
Denn das, was wir hier tun, ist etwas anderes. Wir machen keine Unterhaltung. Wir machen Begegnung. Wir machen Gemeinschaft. Wir machen Kunst, die nicht nur gehört, sondern gespürt wird.
Viele von uns haben erlebt, wie Förderpolitik uns gegeneinander stellt. Wie Künstlerinnen und Künstler plötzlich Konkurrenten werden. Wie man sich vergleicht, misst, kämpft – um Aufmerksamkeit, um Existenz, um Anerkennung.
Ich habe erlebt, wie das Menschen verletzt. Wie es Freundschaften zerstört. Wie es Vertrauen bricht. Wie es uns müde macht.
Aber heute stehen wir hier – gemeinsam. Nicht gegeneinander. Nicht im Wettbewerb. Nicht im Kampf.
Wir stehen hier, weil wir wissen: Kunst entsteht nicht aus Konkurrenz, sondern aus Verbindung.
Wir stehen hier, weil wir spüren: Wenn wir zusammenhalten, kann uns niemand gegeneinander ausspielen.
Wir stehen hier, weil wir glauben: Worte brauchen Räume, in denen sie wachsen dürfen – nicht Bühnen, die sie übertönen.
Deshalb sind wir heute auf dem Margahof. Deshalb haben wir unser begehbares Labyrinth aufgebaut. Deshalb sitzen wir im Kreis, mit grünen Tischdecken, mit Blumen, mit Licht, mit Nähe.
Wir waren an der Waschkaue – kurz, symbolisch. Ein Gruß an die Geschichte. Ein Gruß an die Arbeit, die diese Region geprägt hat. Aber unser Herz schlägt hier. In diesem Kreis. In dieser Gemeinschaft.
Ich möchte euch heute etwas mitgeben:
Lasst uns Künstlerinnen und Künstler nicht gegeneinander kämpfen. Lasst uns Räume schaffen, in denen wir uns stärken. Lasst uns zeigen, dass Kunst Wert hat – auch wenn sie nicht kostenlos ist. Lasst uns zusammenhalten, damit wir nicht verloren gehen.
Denn das Schlimmste Gefühl ist, wenn man glaubt, man sei überholt. Aber das ist ein Trugschluss.
Wir sind nicht überholt. Wir sind gebraucht. Wir sind Stimmen, die diese Region tragen. Wir sind Menschen, die Worte lebendig machen. Wir sind diejenigen, die zeigen, dass Kultur mehr ist als Unterhaltung.
Heute, hier, in diesem Kreis, beginnt etwas, das größer ist als ein Festival. Es beginnt ein Miteinander. Ein neues Vertrauen. Eine neue Stärke.
Ich danke euch, dass ihr da seid. Ich danke euch, dass ihr eure Stimmen teilt. Ich danke euch, dass ihr diesen Raum mit Leben füllt.
Lasst uns heute nicht nur lesen – lasst uns einander halten.
Mit dichterischen Grüßen
Wolfgang
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